Wissenschaftler aus Hannover gewinnen beim Innovationswettbewerb
Medizintechnik 2007
Mediziner und Ingenieure werden für ihre Forschung an Innenohrimplantaten ausgezeichnet
Ein Team von Wissenschaftlern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Leibniz Universität hat mit einem Forschungsprojekt zur Optimierung von Implantaten und OP-Methoden am Innenohr überzeugt und gewonnen: Die Urkunde wurde am 18. Oktober beim Innovationsforum Medizintechnik in Berlin überreicht. Bis zu 300.000 Euro Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) kann das Forscherteam nun für Schlüsselexperimente innerhalb des Forschungsvorhabens beantragen.
Cochlea-Implantate sind Neuroprothesen, die den noch intakten und funktionsfähigen Hörnerv elektrisch reizen. Sie simulieren die Arbeit der Hörzellen, die Schall in Nervenimpulse umwandeln. Wichtig ist, dass bei der Operation, die das Implantat in das Innenohr einpasst, die noch aktiven Hörzellen nicht verletzt werden und dass das Implantat die optimale Position einnimmt, damit die Elektroden den Gehörnerv reizen können.
Mit einem Roboter will das Team von Forschern der Klinik- und Poliklinik für HNO der MHH und des Instituts für Robotik der Leibniz Universität Elektroden in die immer enger werdenden Windungen der Hörschnecke (Cochlea) lenken - ohne anzuecken. Dies kann gelingen, weil das Implantat sich an die Form der Cochlea "erinnert". Sogenannte steuerbare Formgedächtnis-Elektroden bestehen aus einem Memory-Metall, das seine Form je nach Temperatur ändern und sich sogar an zuvor gelernte Formen "erinnern" kann. Eine gerade Elektrode kann sich so bei ansteigender Temperatur krümmen, bis sie ihre endgültige Gestalt erreicht hat. Ist die Form der Hörschnecke des Patienten bekannt, kann die Elektrode wie ein Maßanzug anpasst werden. Während sie in das Innenohr geschoben wird, nimmt das Metall durch die Körperwärme des Patienten die gespeicherte Form an. Nach den Plänen der Wissenschaftler hilft dabei ein computergesteuerter OP-Roboter, der sich viel präziser bewegt, als es die Hand eines Chirurgen könnte. Welche Form die Hörschnecke hat, verraten hochaufgelöste räumliche Bilder aus dem Computertomographen.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) führt den Innovationswettbewerb Medizintechnik seit 1999 jährlich durch. Etwa 100 Bewerberinnen und Bewerber stellen sich pro Jahr einer internationalen Jury. Ihre innovativen Ideen zeichnen sich durch ein hohes Nutzungspotenzial für die klinische Anwendung und durch die enge Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft aus.
Meldung vom 22.10.2007