Deutscher Juristen-Fakultätentag hält an „pluralistischer
Juristenausbildung“ fest
Mehr als 70 Juristinnen und Juristen nehmen an Veranstaltung in Hannover teil
Gegen eine Umstellung des rechtswissenschaftlichen Studiums auf Bachelor- und Masterstudiengänge haben sich der niedersächsische Justizminister Busemann und der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka während des 90. Deutschen Juristenfakultätentag (DJFT) in Hannover ausgesprochen. Neben den beiden Politikern nahmen mehr als 70 Vertreterinnen und Vertreter der juristischen Fakultäten, der Justiz und der Anwaltschaft an der Veranstaltung am 3. und 4. Juni 2010 teil.
Auch die Mitgliedsfakultäten des DJFT erteilten der flächendeckenden Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen im Fach Rechtswissenschaft eine Absage, weil ansonsten die einheitlich hohe Qualität der Juristenausbildung in Deutschland in Gefahr geriete. Stattdessen plädiert der DJFT für sein Modell einer "pluralistischen Juristenausbildung“ mit einer Ergänzung des bisherigen rechtswissenschaftlichen Studiengangs durch Bachelor- und Masterstudiengänge für Studierende, die berufliche Tätigkeiten außerhalb der regulierten juristischen Berufe (etwa Justiz, Anwaltschaft) anstreben.
Skepsis gab es auch gegenüber dem sogenannten "Deutschen Qualifikationsrahmen“ (DQR), mit dem europaweit vergleichbare Niveaustufen für berufliche und universitäre Abschlüsse geschaffen werden sollen. Der DQR führe zu bürokratischen Auswüchsen und verenge den Bildungsbegriff auf wirtschaftliche Gesichtspunkte. Zudem sprach sich der Juristen-Fakultätentag für die Stärkung der rechtswissenschaftlichen Forschung an Universitäten aus. Diese werde immer mehr zu Gunsten außeruniversitärer Forschungseinrichtungen zurückgedrängt. Die Einheit von Forschung und Lehre gehe dadurch verloren.
Schließlich wählten die Fakultätsvertreterinnen und -vertreter einstimmig Peter M. Huber, Rechtsprofessor in München und seit dem vergangenen Jahr thüringischer Innenminister, zum zweiten Ehrenvorsitzenden des DJFT. Huber hat den DJFT von 1999 bis 2009 als Vorsitzender geleitet. Seit Juni 2009 übt der Strafrechtsprofessor und Dekan der hannoverschen Juristischen Fakultät, Henning Radtke, dieses Amt aus.
Meldung vom 10.06.2010