“Technik war es schon immer für mich“
E.ON-Manager Dr.-Ing. E. h. Bernhard Fischer zu Gast bei "Karriere – Köpfe – Konzerne“
Ein klassisches energiewirtschaftliches Referat solle sein Vortrag nicht werden, kündigte Dr. Bernhard Fischer an. Der E.ON-Manager wollte in der Veranstaltungsreihe "Karriere – Köpfe – Konzerne“ am Donnerstag, 8. Dezember 2011, im Lichthof des Welfenschlosses nicht ausschließlich aus Manager- bzw. Ingenieurperspektive sprechen, sondern "als Mensch“. Und so bekamen die Zuhörerinnen und Zuhörer anhand von Fotos und Erzählungen einen Einblick in unterschiedliche Lebensphasen des E.ON-Managers. "Schon von frühester Kindheit an hat mich Technik fasziniert“, berichtete Bernhard Fischer, "zuerst Trecker und Telefon, später dann Autos und Computer.“
Der Ingenieur, der in Hannover Maschinenbau studiert hat, ist nach unterschiedlichen Leitungspositionen an verschiedenen Standorten des E.ON-Konzerns inzwischen wieder in Hannover tätig – als Vorsitzender der Geschäftsführung der Global Unit Generation. E.ON betreibt derzeit europaweit 370 Kohle-, Gas-, Wasser- und Kernkraftwerksblöcke. "Nach 30 Jahren bin ich dadurch in meine alte Heimat zurückgekehrt“, sagt der 56-Jährige, der in Barsinghausen geboren wurde und in Gehrden zur Schule gegangen ist. Sein erstes Praktikum absolvierte er bei den Stadtwerken Hannover, bevor er an der damaligen Technischen Universität Hannover sein Studium begann.
"Was geben Sie heutigen Studierenden mit auf den Weg, die als Ingenieure in die Energiewirtschaft wollen?“, fragte ein Maschinenbaustudent aus dem Publikum gespannt. Eine solide, breite Grundausbildung sei notwendig, aber es sei auch wichtig, über den Kernbereich des Studiums hinauszuschauen, antwortete Bernhard Fischer. Betriebswirtschaftliche Aspekte und Vorbereitung auf Führungsverantwortung seien die Bereiche, die ihm rückblickend während des Studiums weitgehend gefehlt hätten.
Fischer startete seine berufliche Karriere 1982 als Diplom-Ingenieur bei PreussenElektra in Hannover. Dort war er in unterschiedlichen leitenden Positionen im Kraftwerksbereich tätig, bevor er Mitglied der Geschäftsführung wurde. Bernhard Fischer berichtete aber auch von Rückschlägen in seiner beruflichen Laufbahn. "Mit einem Kraftwerksbau bei Lüneburg bin ich grandios gescheitert.“ Das habe er lange nicht wahrhaben wollen. "Das Projekt wurde vom Traum zum Albtraum.“
Anschließend habe er aber die Chance bekommen, ein Kraftwerk in Kiel erfolgreich zu leiten. "Eigentlich hatten wir uns damit angefreundet, dauerhaft in Kiel zu bleiben“, berichtet der Vater von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern. Dann habe aber doch die große Herausforderung gelockt, von der Technik in den Managementbereich des E.ON.-Konzerns nach München zu wechseln. PreussenElektra fusionierte im Jahr 2000 mit der Bayernwerk AG zur E.ON Energie. Neben seiner Tätigkeit im Unternehmen begann der Ingenieur auch damit, Vorlesungen an der Technischen Universität München zu halten. 2009 verlieh ihm die Universität in Anerkennung seiner Leistungen zur Forschung, Entwicklung und Realisierung effizienter und umweltfreundlicher Kraftwerkstechnologien die Würde eines Doktoringenieurs ehrenhalber. Dr. Fischer hält inzwischen auch an der Leibniz Universität Hannover Vorlesungen für angehende Ingenieure.
Außer über seinen persönlichen Werdegang sprach Bernhard Fischer bei "Karriere – Köpfe – Konzerne“ aber auch über die Herausforderungen von Energiekonzernen angesichts der Energiewende in Deutschland. "Die Energiewirtschaft hat sich in den vergangenen 30 Jahren dramatisch verändert.“ Als Unternehmen habe man sicherlich in diesem Zusammenhang auch Fehler gemacht. "Wir sind den Sorgen der Menschen wahrscheinlich nicht rechtzeitig genug begegnet“, sagte Fischer, "bei vielen Aspekten gab und gibt es ein Kommunikationsproblem.“
Auf kritische Nachfragen aus dem Publikum ging Bernhard Fischer auch auf die Themen Atomkraft und Carbon Captore and Storage (CCS: CO2-Abscheidung und –Speicherung) ein. "Ingenieurtechnisch haben wir für die Frage der atomaren Endlagerung Lösungen“, sagte Fischer, "wir müssen uns nur für eine entscheiden.“ Ohne Fukushima hätte es den Ausstieg aus der Atomenergie hierzulande seiner Einschätzung nach so schnell nicht gegeben. "Die Reaktion in Deutschland war sehr spontan und emotional und wenig von Rationalität geprägt.“ Auch der Kohle müsse man weiterhin eine Chance geben. Die CCS-Technologie biete eine sichere Möglichkeit, Kohlenstoffdioxid dauerhaft zu lagern und zu speichern. Nichtsdestotrotz investiere E.ON mit Solar- und Offshore-Windenergie auch intensiv in Erneuerbare Energien. "Aber wir müssen aufpassen. Mit dem momentan ungebremsten Ausbau erzeugen wir neue ernsthafte volkswirtschaftliche und systemtechnische Probleme, etwa bei der Verteilung des Stroms.“
In der Veranstaltungsreihe "Karriere - Köpfe - Konzerne“ kommen Entscheidungsträger aus der regionalen Wirtschaft in die Leibniz Universität Hannover. Bisherige Referenten waren der Vorstandsvorsitzende der ExxonMobil Central Europe Holding GmbH, Dr. Gernot Kalkoffen, Messe-Chef Dr. Wolfram von Fritsch, Werftbesitzer Bernard Meyer, TUI-Chef Dr. Michael Frenzel, Drogerieketteninhaber Dirk Roßmann, Talanx-Vorstandsvorsitzender Herbert K. Haas, Familienunternehmer Werner M. Bahlsen, Madsack-Aufsichtsratschef Dr. Friedhelm Haak sowie Martin Kind, Unternehmer und Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96.
Meldung vom 09.12.2011