Einbruch in Gebäude der Anorganischen Chemie
Gefährliche Chemikalien entwendet
Bisher unbekannte Täter sind am ersten Maiwochenende in ein Gebäude des Instituts für Anorganische Chemie der Naturwissenschaftlichen Fakultät in der Callinstraße eingebrochen, haben dort einen gesicherten Schrank aufgebrochen und etwa 20 Flaschen mit giftigen Chemikalien entwendet. Die Tat muss zwischen Donnerstagnachmittag, 30. April 2009, und Montagmorgen, 4. Mai 2009, geschehen sein.
Nach bisherigen Erkenntnissen kletterten der oder die Täter auf ein Baugerüst am Gebäude und drangen in den Raum im ersten Stock ein. Sie brachen in einem Chemikalienschrank, in dem sich auch Säuren und Laugen befanden, ein separates, verschlossenes Giftfach auf, in dem Gifte lagerten. Die Täter oder der Täter wandten schwere Gewalt an, um das Giftfach aufzustemmen. Der Chemikalienschrank entspricht dem bundesweiten Standard zur Lagerung von Gefahrstoffen. Eine der entwendeten Flaschen enthielt höchstwahrscheinlich rund 150 Gramm Kaliumcyanid (Zyankali), ein hochgiftiger Stoff, der bei unsachgemäßer Verwendung schon in kleinen Dosen tödlich wirken kann. Welche anderen Chemikalien genau entwendet wurden, wird derzeit geprüft. Die Chemikalien waren vorschriftsmäßig gekennzeichnet und gelagert.
Bemerkt wurde der Vorfall am Montag, 4. Mai 2009. Die Polizei wurde sofort alarmiert. Der Raum war zunächst nicht betretbar, weil giftige Chemikalien auf dem Boden verteilt waren. Unter anderem musste ausgetretenes Quecksilber mit einem Mittel unschädlich gemacht werden, das einwirken musste. Erst am Dienstag und Mittwoch, 5. und 6. Mai, konnte dann das gesamte Ausmaß des Schadens festgestellt werden. Die Leitung des Instituts für Anorganische Chemie hat das Fehlen der Zyankaliflasche umgehend an die Polizei gemeldet.
Das Baugerüst stand vor der Fassade, weil das Chemiegebäude in der Callinstraße derzeit grundsaniert wird. Für die Sicherung des Gebäudes während der Baumaßnahmen ist das Staatliche Baumanagement Niedersachsen zuständig.
Die Chemikalien, unter anderem das Kaliumcyanid, werden sowohl für die Ausbildung als auch für die wissenschaftliche Arbeit benötigt. Es ist Bestandteil des Lehrplans in der Chemie, den Umgang mit den gefährlichen Substanzen zu erlernen. Dies ist notwendig, weil diese Fachkenntnis auch bei der späteren Berufsausübung vorausgesetzt wird.
„Das ist ein ernstzunehmender Vorfall, der die Einführung weiterer Sicherungsmaßnahmen erfordert“, sagt Universitätspräsident Prof. Erich Barke. Die Leibniz Universität plant mit der Sanierung eine umfassende Sicherung des Gebäudes, wie bei Laborgebäuden der Universität an anderen Standorten. Unter anderem sind Panzerglasscheiben im Erdgeschoss, Bewegungsmelder und eine riegelweise Absicherung von Gebäudeteilen vorgesehen.
Hinweis an die Redaktionen
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Presseinformation vom 06.05.2009