Forschung ohne Grenzen?
In der aktuellen Ausgabe des Unimagazins denkt die Wissenschaft über sich selber nach: Wissenschaftsethik heißt der Schwerpunkt, der alle Fachdisziplinen betrifft
Die Wissenschaft ist der Wahrheit verpflichtet. Diese Verbindung kann nur gelingen, wenn Wissenschaft in Freiheit betrieben werden kann. Doch die Freiheit und die Pflicht, mit dieser Freiheit verantwortlich umzugehen, sind zwei Seiten einer Medaille. Hierbei geht es einerseits um das Berufsethos ("Gute wissenschaftliche Praxis“), das durch öffentlich diskutierte Plagiatsfälle in den vergangenen Monaten in den Fokus gelangt ist, andererseits um die Technikfolgenabschätzung. Dies bedeutet, gesellschaftliche Folgen der wissenschaftlichen Erkenntnisse mitzudenken – denn der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn soll der Gesellschaft dienen und sie nicht gefährden.
Wissenschaftsethik könnte man in der Philosophie verorten, aber dieses Heft zeigt, dass sich andere Disziplinen ebenfalls intensiv damit beschäftigen. Das Themenspektrum reicht von der Frage nach der Verantwortung von Wissenschaftlern, Hirndoping und den finanziellen Verflechtungen der Wissenschaft über Lebensverlängerung, die moralische Verantwortung von Unternehmen und die Grenzen der reproduktiven Freiheit bis hin zu den Fragen, ob man Charakter sehen kann und wie Werte eigentlich vermittelt werden.
Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn soll der Gesellschaft dienen. Datenfälschungen, Plagiate oder Experimente, die Rechte Dritter verletzen, erschweren die Erfüllung dieses Anspruchs jedoch. Das Heft thematisiert in 16 Beiträgen, was Wissenschaft darf – und wo die Grenzen der Freiheit liegen.
Die Beiträge im Detail:
Paul Hoyningen-Huene
Institut für Philosophie
Zur Verantwortung von Wissenschaftlern
Folgeabschätzung in der Wissenschaft: Aufklärung und Transparenz als gesellschaftliche Verantwortung von Forschern
Gero Kellermann
Akademie für Politische Bildung Tutzingen
Zwischen Freiheit und Kommerzialisierung
Wissenschaftsfreiheit vor neuen Herausforderungen
Christian Wolf
Lehrstuhl für bürgerliches Recht, Deutsches, Europäisches und Internationales Zivilprozessrecht
Wissenschaft trotz oder wegen finanzieller Verflechtungen?
Unabhängigkeit und Interessenskonflikte in der universitären Forschung
Unterschiedliche Autoren
Institut für Philosophie
Theoretische und praktische Wissenschaftsphilosophie an der Leibniz Universität Hannover
Vier Forschungsschwerpunkte des Instituts für Philosophie im Profil
Dietmar Hübner
Institut für Philosophie
Verbesserung des Menschen
Enhancement: Mehr als Science Fiction
Thomas Reydon
Institut für Philosophie
Gute wissenschaftliche Praxis
Berufsethos und Fehlverhalten in Forschung und Lehre
Markus Scholz
Institut für Philosophie
Über die moralische Verantwortung von Unternehmen
Unternehmensethik zwischen Shareholder und Stakeholder Theory
Philipp Bode
Institut für Philosophie
Was ist falsch an Hirndoping?
Skizzen einer ethischen Kriteriensuche
Gardar Arnason
Institut für Philosophie
Kann man Charakter sehen?
Bildgebende Verfahren und Veranlagungen
Nils Hoppe
Institut für Philosophie
Neue Therapien – neue Grenzen
Ethische und rechtliche Fragen der Regenerativen Medizin
Christiane Meyer
Institut für Didaktik der Naturwissenschaften
Werte-Bildung zur ethischen Orientierung
Beziehungen und Bedeutungen auf dem Hiroshima-Gedenkhain in Hannover
Alfred Effenberg | Joachim Grabowski
Institut für Sportwissenschaft/Institut für Pädagogische Psychologie
Ohne Eingriff – ohne Folgen?
Ethikkommissionen in der verhaltenswissenschaftlichen Forschung
Reingis Hauck
Dezernat Forschung und EU-Hochschulbüro
Die Zentrale Ethikkommission an der Leibniz Universität Hannover
Peter Schaber
Ethikzentrum der Universität Zürich
Wieso Zustimmung?
Verfügungsrechte über die eigene Person und ihre Grenzen
Tatjana Tarkian
Seminar für Philosophie der Universität Erfurt
Entscheidung statt Zufall?
Reichweite und Grenzen Reproduktiver Freiheit
Marcel Weber
Universität Genf
Platons Albtraum
Zur Biologie und Philosophie der Lebensverlängerung
Das Heft können Sie im Alumnibüro per E-Mail unter alumni@zuv.uni-hannover.de oder telefonisch unter 0511 762 2541 bestellen.
Hinweis an die Redaktionen
Für weitere Informationen steht Ihnen Monika Wegener M.A., Referentin für Alumnibetreuung, unter Telefon +49 511 762 2516 oder per E-Mail unter monika.wegener@zuv.uni-hannover.de gern zur Verfügung.
Presseinformation vom 16.12.2011