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Konstrukteure – gesucht und (noch) nicht gefunden
 

Das vom Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen initiierte Projekt „Konstrukteur 2020“ mündet in Empfehlungen der Akademie der Technikwissenschaften zum Berufsbild

Das Berufsbild des Konstrukteurs erstreckt sich im weiten Feld zwischen einer technischen Detailzeichnung, die auf Anweisung erstellt wird, und der eigenständigen Entwicklung und Konstruktion komplexer Anlagen und Produkte. Die Berufsbezeichnungen sollten daher dringend differenziert und entsprechend aufgewertet werden – sowohl in der akademischen Ausbildung als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Das ist eins der zentralen Ergebnisse, die sich in der ausführlichen Studie und im Positionspapier der acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften finden. Beide Dokumente sind kostenlos abrufbar unter www.acatech.de/de/publikationen.

Beide Publikationen gehen auf das acatech Projekt „Konstrukteur 2020“ zurück, das 2010 auf Initiative des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover gestartet wurde. Die Akademie-Mitglieder Professor Berend Denkena, Leiter des IFW, und sein Vorgänger Professor Hans Kurt Tönshoff hatten in vielen Berufsjahren in der Industrie und als Hochschullehrer im Maschinenbau festgestellt, dass der Mangel an gut ausgebildeten Konstrukteuren zu massiven Problemen führt. Sie trugen das Thema in die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und arbeiteten in ihrem Auftrag und gemeinsam mit dem Institut für Produktentwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie sowie mit dem Institut für Hochschulforschung Wittenberg an dem daraus hervorgegangenen Projekt. Denkena, der gemeinsam mit Professor Albert Albers, dem Leiter des Instituts für Produktentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie, die Projektleitung übernahm, betonte die Bedeutung des Themas: „Ohne Konstrukteure steht der Innovationsmotor der deutschen Industrie irgendwann still.“

Am IFW haben die beiden Ingenieurwissenschaftler Friedrich Charlin und Barbara Dengler am Projekt mitgewirkt. Sie haben mit ihren Partnern Studiengänge auf ihren „Konstruktionsanteil“ hin untersucht, Ausbildungswege erfasst und als Teil der Projektgruppe zahlreiche Diskussionen mit Industrie- und Hochschulvertretern geführt, um zu ermitteln, was von Konstrukteuren heute und morgen erwartet wird. Und das ist viel: Konstrukteure von heute sind „Entwickler, Treiber und Gestalter im Entstehungsprozess neuer Produkte. Sie denken – unter Berücksichtigung sämtlicher Phasen des Produktlebenszyklus – die neuen Produkte im Unternehmen vor und erstellen die Dokumentation zu ihrer Herstellung. […] Sie müssen neben klassischem Konstruktions-Know-how wie Kenntnissen zu Maschinenelementen und Materialien, zu Funktionsgruppen, Fertigungs- und Montagetechnik, zu Konstruktionsmethodik, Lösungsfindungssystematik und räumlichem Vorstellungsvermögen zunehmend auch Informatik- und Programmierkenntnisse sowie Kenntnisse über Elektrotechnik und Mechatronik mitbringen. […] Die Komplexität moderner Produkte erfordert von Konstrukteuren aber auch nicht-maschinenbautypische Tätigkeiten wie Produkt- und Projektmanagement. Die Konstrukteure von morgen müssen daher auch Manager sein, die Projekte im Team, aber auch selbstständig planen, steuern und kontrollieren […].“ So ist es jetzt nachzulesen im Positionspapier der acatech.

Den immer umfangreicheren Anforderungen steht die Tatsache gegenüber, dass „Konstrukteur“ in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Als eine mögliche Gegenmaßnahme nennt das Positionspapier hier die (Wieder-)Einführung der Bezeichnung „Systemkonstrukteur“, um eine gewisse Begriffsschärfung und entsprechende -aufwertung zu erreichen. Alle Ergebnisse und Positionen finden Sie ausführlich in den Publikationen:

Albers, Albert/Denkena, Berend/Matthiesen, Sven (Hrsg.):
Faszination Konstruktion. Berufsbild und Tätigkeitsfeld im Wandel
(acatech STUDIE), Heidelberg u.a.: Springer Verlag 2012
ISSN: 2192-6174/ISBN: 978-3-642-31940-2/e-ISBN: 978-3-642-31941-9
DOI: 10.1007/978-3-642-31941-9

acatech (Hrsg.):
Faszination Konstruktion. Berufsbild und Tätigkeitsfeld im Wandel
(acatech POSITION), Heidelberg u. a.: Springer Verlag 2012
ISSN: 2192-6166 / ISBN: 978-3-642-31930-3 / e-ISBN: 978-3-642-31931-0
DOI: 10.1007/978-3-642-31931-0

Zum Hintergrund:
acatech vertritt die deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland in selbstbestimmter, unabhängiger und gemeinwohlorientierter Weise. Als Arbeitsakademie berät acatech Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen. Darüber hinaus hat sich acatech zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. In der Akademie engagieren sich Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft innerhalb von Themennetzwerken. Das Vorhaben „Konstrukteur 2020“ wurde von den Themennetzwerken „Produktentstehung“ und „Bildung und Wissen“ als drängendes zukunftsrelevantes Thema identifiziert und aus Mitteln des acatech Fördervereins finanziert. www.acatech.de


Hinweis an die Redaktionen

Für weitere Informationen steht Ihnen Dipl.-Wirtschaftsing. (FH) Barbara Dengler vom Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen unter Telefon 0511 762 18003 oder per E-Mail unter denglerifw.uni-hannover.de zur Verfügung.

Presseinformation vom 01.11.2012


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