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Startseite > Service > Specials > Adventskalender 2005 > 24. Dezember

Der Stern von Bethlehem

Bild: Grafik: 24. Dezember


Jeder, der schon einmal die Weihnachtsgeschichte gehört hat, wird sich sicherlich auch an die drei Weisen aus dem Morgenland erinnern. Diese hatten, so Matthäus, in ihrer Heimat im Osten den Stern des neuen Königs der Juden gesehen, und waren deswegen von dort aufgebrochen, um ihm zu huldigen und Geschenke zu überbringen. Bei dem von ihnen vermuteten neuen Königs der Juden handelt es sich um Jesus.

Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob es sich bei diesem „Stern“ lediglich um eine Hinzufügung durch den Apostel Matthäus handelt (der Stern wird nur von diesem erwähnt und es war üblich, einem neuen König einen Stern oder Planeten zuzuordnen) oder ob es sich dabei um ein tatsächlich stattgefundenes Himmelsereignis gehandelt hat und mit welchem Datum dies verknüpft ist.

Viele Astronomen haben sich der letzteren, wissenschaftlich interessanteren Frage gewidmet und eine ganze Anzahl von Theorien dazu aufgestellt. Das erste Problem, das dabei auftritt, ist, dass das Geburtsdatum Jesu heute nicht genau bekannt ist. Dass in christlichen Ländern Weihnachten meist zwischen dem 24. Dezember und dem 26. Dezember gefeiert wird, geht wohl auf eine Festlegung durch den ersten christlichen römischen Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert zurück und ist mit großer Sicherheit nicht der wahre Geburtstag Jesu.

Laut der Bibel wurde Jesus kurz vor dem Tod des Königs Herodes geboren. Wie heute bekannt ist, starb dieser im Jahr 4 oder 3 vor Beginn unserer Zeitrechnung (v.u.Z.). Jesus kann also nicht nach dem Jahr 3 v.u.Z. geboren worden sein. Es bleibt also zu untersuchen, welche außergewöhnlichen Himmelserscheinungen in den Jahren davor aufgetreten sind und welche überhaupt in Frage kommen. Ein hell aufleuchtender, explodierender Stern (Supernova) oder ein Komet lassen sich ausschließen, da deren Auftreten sehr gewissenhaft von chinesischen Astronomen festgehalten wurde, aber von keiner besonderen Erscheinung aus dieser Zeit berichtet wird. Außerdem wurden diese Himmelserscheinungen meist als Unglückssterne angesehen.

Besondere Bedeutung hatten zu jener Zeit aber auch noch enge Begegnungen (so genannte Konjunktionen) zwischen den hellen Planeten. Aus diesen wurde von Astrologen, deren Beruf damals noch untrennbar mit dem der Astronomen verbunden war, die Zukunft königlicher Familien und anderer wichtiger Persönlichkeiten vorhergesagt.

Einige besondere Konstellationen, mit für die damalige Zeit ebenso besonderer astrologischer Bedeutung, traten in den Jahren zwischen 7 v.u.Z. und 2 v.u.Z auf, wobei alle von den Ereignissen einer 18-monatigen Periode in den Jahren 3 und 2 v.u.Z. in den Schatten gestellt wurden und in den letzten 3000 Jahren einzigartig sind. Dabei kam es zu mehreren sehr engen Begegnungen zwischen Merkur und Saturn, sowie Jupiter und Venus, wobei die beiden letzteren die hellsten Objekte am Nachthimmel nach dem Mond sind.


Zudem fanden einige dieser Konjunktionen im Sternbild Löwe statt, das als das königliche Sternbild galt. Hinzu kommt noch, dass Jupiter, der Königsplanet, mehrmals sehr nahe am hellsten Stern des Löwen, dem Regulus, welcher als Königsstern angesehen wurde, vorbeizog. Gleichzeitig ereignete sich in demselben Sternbild eine regelrechte Massenansammlung von Planeten, nämlich Merkur, Venus, Mars und Jupiter. Das Sterbild des Löwen war eng mit dem jüdischen Volk verknüpft und hatte dort große Bedeutung. Es galt nämlich als Löwe von Judäa, benannt nach dem Volk von Judäa.

Das Wissen darum und die Beobachtung dieser besonderen Konstellationen könnte also die Weisen aus dem Morgenland bewogen haben die weite Reise nach Jerusalem und Bethlehem anzutreten, in der Annahme, dass dort ein neuer König der Juden geboren worden war. In diesem Fall wäre das Jahr 3 v.u.Z. das wahrscheinlichste Geburtsjahr Jesu.

Abschließend kann die Frage des Geburtsjahres Jesu Christi und die Bedeutung des Sterns von Bethlehem natürlich heute nicht mehr beantwortet werden und ist auch sehr umstritten. Möglicherweise hat der Stern von Bethlehem, als Symbol für eine besondere Planetenkonstellation, aber einen wahren Hintergrund.


Dipl.-Met. Michael Theusner
Universität Hannover, Institut für Meteorologie und Klimatologie


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