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Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter…
Eigentlich müsste es heißen:
Oh Fichtenbaum, oh Fichtenbaum, wie grün sind deine Nadeln...
Allerdings werden in den vergangenen Jahren tatsächlich zunehmend Tannen als Weihnachtsbäume und ihre Zweige für Adventskränze angeboten. Lange war es ausschließlich die heimische Rotfichte (Picea abies), seltener die in Süddeutschland heimische Weißtanne (Abies alba). Dazu gesellte sich dann die „Blaufichte“ (Picea pungens var. glauca), die genau genommen Stechfichte heißt. Nicht zu verwechseln mit der „Blautanne“ (Abies procera var. glauca), die korrekt Edeltanne heißt. Die blaue Variante mit den krallenartigen langen Nadeln ist die Altersform der Edeltanne und wird gelegentlich in Hausgärten gepflanzt. Als Weihnachtsbaum oder für Adventskränze wäre sie viel zu teuer. Seit einigen Jahren finden wir jedoch zunehmend die Nordmannstanne (Abies nordmanniana) aus dem Kaukasus mit weichen Nadeln, die zum Glück wenig „nadeln“.
Das Nadeln ist ein großes Ärgernis beim „Weihnachtsgrün“, wie es in der Vorweihnachtszeit gerne im Haus dekoriert oder für den Adventskranz genutzt wird. Besonders bei den Fichten ist bei Wasserverlust in den trockenen Wohnräumen das Nadeln kaum zu vermeiden. Tannen halten die Nadeln allerdings sehr gut. Aber wieso nadeln Fichtenzweige? Ursache ist eine bei allen Fichten vorhandene Trennungszone an der Nadelbasis, die eine mechanisch wirkende Sollbruchstelle darstellt. Diese Zone besteht aus drei Schichten: einer hyalinen, beziehungsweise transparenten, dünnwandigen Schicht im Schrumpfungsgewebe, einem Trennungsgewebe (Kutinzellen) und einem Widerstandsgewebe (Sklerenchymzellen). Bei Wassermangel schrumpft die hyaline Schicht, die dann auf Grund von Scherkäften von den Kutinzellen und den starren Sklerenchymzellen abreißt. Dieser geschilderte Trennungsapparat ist bei Tannen nicht vorhanden, deshalb fallen die Nadeln auch beim Trocknen nicht ab.
Entsprechende Unterschiede finden sich auch bei den Zapfen beider Baumarten. Die an den Zweigen „hängenden“ Fichtenzapfen fallen nach der Reife im Winter oder Frühjahr ab, während die Tannenzapfen, die auf den Zweigen „stehen“, nicht abfallen. Allerdings lösen sich nach der Reife die Zapfenschuppen mit den Samen und fallen herab, während die Zapfenspindel am Baum verbleibt. Deshalb sind unter dem Baum liegende Zapfen immer Fichtenzapfen, nie Tannenzapfen! An den Weihnachtsbäumen finden wir niemals Zapfen, da Fichten und Tannen erst nach mehreren Jahrzehnten beginnen zu blühen, dann sind die Bäume viel zu groß um als Weihnachtsbäume Verwendung zu finden. Außerdem blühen die Bäume ausschließlich im oberen Kronenbereich, weshalb die Blüten vom Betrachter kaum wahrgenommen werden. Erst die Zapfen sind im Herbst in den Kronen deutlich sichtbar.
Prof. Wolfgang Spethmann Universität Hannover, Institut für Zierpflanzenbau und Baumschule, Abteilung Baumschule
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