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Startpage > Services > Specials > On-line Advent Calendar 2005 > 19. Dezember

Weihnachtsverkehr

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Mobilität zur Weihnachtszeit war schon vor 2000 Jahren ein wichtiges Thema. Ein Verkehrs-wissenschaftler der Universität Hannover gibt Hintergrundinformationen zum Verkehrsauf-kommen von gestern und heute.

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Römerstraßen in Palästina: Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana nach dem Faksimile von Konrad Miller 1887


Wir wissen nicht, wie viel Zeit die täglichen Wege der Menschen vor 2000 Jahren in Anspruch nahmen. Aus Untersuchungen ist jedoch bekannt, dass heute das tägliche Zeitbudget für die Mobilität - in Industrieländern ebenso wie in der dritten Welt - bei etwa 75 Minuten liegt, und dies galt vor 30 Jahren in gleicher Weise. Trotz ständig steigender Reisegeschwindigkeiten sparen wir letztlich also doch keine Zeit ein, um sie für etwas anderes als Ortsveränderung zu verwenden.

Da stellt sich die Frage, wo die Zeit bleibt, die eigentlich für andere Aktivitäten zur Verfügung stehen könnte? Aus den Untersuchungen zur Mobilität in Deutschland wissen wir, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleibt. Auf der Strecke deshalb, weil die Fahrtweiten der im Mittel 3,3 täglichen Wege ständig zunimmt. Über diese Wege legt jeder Deutsche täglich durchschnittlich 44 km zurück. Insgesamt ist die tägliche Gesamtverkehrsleistung in Westdeutschland in den vergangenen 20 Jahren um fast 40% von 1,8 auf 2,5 Mrd. Personenkilometer angestiegen.


Dies liegt am gestiegenen Anteil des Freizeit- und Einkaufsverkehrs. Insbesondere für diese Wegezwecke sind auch die Fahrtweiten überproportional angestiegen, was auf siedlungsstrukturelle Veränderungen sowie ein verändertes Einkaufsverhalten auf der grünen Wiese schließen lässt.

Diese Zahlen indizieren, dass die gewonnenen technischen Möglichkeiten nicht nur zur ökonomischen Effizienz beitragen. Das häufig bemühte Argument, dass Untersuchungen für verschiedene Länder einen positiven Zusammenhang zwischen der Verkehrsleistung und dem wirtschaftlichen Wohlstand zeigen, weist dabei mitunter nur auf die Wohlstandsfolgen mit zunehmendem Freizeit- und Einkaufsverkehr hin.


Abb.3: Jahresverlauf der Wegehäufigkeit


Besinnliche Weihnachtszeit als Gegentherapie? Schön wär's, die Mobilitätskenngrößen im Jahresverlauf geben hierfür jedenfalls keinen Anhaltspunkt. Ganz im Gegenteil steigen sie im Zeichen des Konsums der Vorweihnachtszeit steil an und erreichen erst in der letzten Woche des Jahres einen niedrigeren Wert. In gewisser Weise wiederholt sich damit die historische Weihnachtsgeschichte: Nach dem Evangelisten Lukas war das ganze Volk, wenn auch auf-grund anderer Zwänge, auf Reisen. Ebenso haben die drei Weisen aus dem Morgenland eine weite Strecke zurückgelegt, um Jesus zu finden und ihre Aufwartung zu machen. Ob dies als Freizeit- oder Berufsverkehr zu werten ist, bleibt allerdings offen. Immerhin hatten sie mit dem Morgenstern bereits eine Navigationshilfe.


Prof. Dr.-Ing. Bernhard Friedrich
Universität Hannover, Institut für Verkehrswirtschaft, Straßenwesen und Städtebau

Quellen:
Mobilität in Deutschland - Ergebnisbericht, Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Berlin 2002, (Abb.2 und Abb.3).
Tabula Peutingeriana. Bibliotheca Augustana, www.fh-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost03/Tabula/tab_intr.html


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