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Leibniz Universität hat als erste Universität NS-Belastungen in der Nachkriegszeit umfassend aufgearbeitet

Leibniz Universität hat als erste Universität NS-Belastungen in der Nachkriegszeit umfassend aufgearbeitet

Presseinformation vom

Buch "Eine neue Zeit. Ein neuer Geist?" erschienen / Online-Buchvorstellung mit Autor Dr. Michael Jung am 18. November

Die Leibniz Universität Hannover (LUH) hat in den vergangenen Jahren die NS-Geschichte ihrer Vorgängerinstitutionen umfassend aufgearbeitet. In einer ersten Publikation wurden die Beeinträchtigungen durch NS-Unrecht und Begünstigungen unterschiedlicher Art in der Zeit von 1933 bis 1945 an der TH Hannover untersucht und herausgegeben.

In einem zweiten Schritt hat das Präsidium der LUH im Jahr 2017 den Historiker Dr. Michael Jung beauftragt, die NS-Belastungen ihrer Funktionsträger in der Zeit zwischen 1945 und 1971 zu untersuchen. Das Buch "Eine neue Zeit. Ein neuer Geist? Eine Untersuchung der nach 1945 an der Technischen Hochschule Hannover tätigen Professoren unter besonderer Berücksichtigung der Rektoren und Senatsmitglieder" ist jetzt erschienen. Einer der Gutachter, der renommierte Historiker Prof. Dr. Wolfgang Benz, bescheinigt dem Werk absolute Singularität in der Hochschullandschaft in Deutschland. Denn haben eine Reihe von Universitäten in der Bundesrepublik ihre NS-Zeit sowie Aspekte in der unmittelbaren Nachkriegszeit inzwischen beleuchtet, so ist doch die Leibniz Universität Hannover die erste Hochschule in Deutschland, die sich auch den ideologischen Kontinuitäten in der Nachkriegsgeschichte ihrer Institution umfassend widmet.

Die Publikation wird mit einer Online-Präsentation am Mittwoch, 18. November 2020, ab 19 Uhr unter www.uni-hannover.de/aufarbeitung-der-ns-zeit vorgestellt. Alle Interessierten können kostenlos daran teilnehmen und schon vorab Fragen anmelden: www.uni-hannover.de/aufarbeitung-der-ns-zeit/frage

Dr. Michael Jung wird in einem Video in die Inhalte des Buches einführen und anschließend für Fragen im Chat verfügbar sein.

Grußworte halten Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Epping sowie Prof. Dr. Holger Butenschön, Sprecher des Senates und Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Verleihung und Entzug von Titeln während der NS-Zeit".

Bereits jetzt gibt es weitere Informationen zum Buch und zur Aufarbeitung der NS-Zeit an der Leibniz Universität Hannover unter www.uni-hannover.de/aufarbeitung-der-ns-zeit.

"Schon zum Zeitpunkt der Beschäftigung der Arbeitsgruppe Verleihung und Entzug von Titeln während der NS-Zeit mit dem Zeitrahmen von 1933 bis 1945 stellte sich die Frage nach den Folgejahren, die Frage nach personeller Kontinuität, die Frage nach den Amtsträgern nach 1945 und der Einordnung ihrer Biografien in Hinblick auf das NS-Regime", sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Volker Epping. "Mit der Untersuchung öffnet sich der Blick auf das Fortleben nationalsozialistischer Ideologie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und in der Bundesrepublik Deutschland. Von 20 Rektoren der Nachkriegszeit beispielsweise waren nur drei nicht Mitglied einer NS-Organisation."

Die Studie von Dr. Michael Jung, deren Entstehung die Senats-AG beratend begleitete, untersucht die akademischen Biografien von 326 Professoren, die spätestens 1927 geboren sind und die alle an der Universität Hannover und ihren Vorgängerinstitutionen nach 1945 beschäftigt waren (letzte Berufung 1978). Die Arbeit gibt erstmals einen nahezu vollständigen Überblick über die Mitgliedschaften insbesondere der Professoren der Technischen Hochschule, der Technischen Universität und der Universität Hannover in NS-Organisationen, ihr etwaiges Engagement darin sowie über andere, das NS-Regime unterstützende Tätigkeiten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Mitgliedern des Senats, der sich bis 1968 aus Rektor, Prorektoren, Dekanen der Fakultäten und von den Professoren gewählten Senatoren zusammensetzte.

Über den Autor

Dr. Michael Jung (*1951) ist Historiker und forschte zuletzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Didaktik der Demokratie (IDD) der Leibniz Universität Hannover. Jung ist Mitautor der Studie zu Unrechtsmaßnahmen an der TH Hannover zwischen 1933 und 1945 und hat umfangreich zur Hochschulgeschichte im Nationalsozialismus und nach 1945 publiziert, unter anderem in den Hannoverschen Geschichtsblättern.

Das Buch

Dr. Michael Jung
Eine neue Zeit. Ein neuer Geist?
Hg. v. Präsidium der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020
ISBN 978-3-7319-1082-4

Hinweis an die Redaktion

Für weitere Informationen steht Ihnen Mechtild Freiin v. Münchhausen, Pressesprecherin der Leibniz Universität Hannover und Leiterin des Referats für Kommunikation und Marketing, unter Telefon +49 177 3734026 oder per E-Mail unter vonMuenchhausen@zuv.uni-hannover.de gern zur Verfügung.