Das Meer ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen – aber auch ein Ort vielfältiger menschlicher Aktivitäten: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt küstennah, Tourismus bevölkert Strände, Schiffe transportieren 90 Prozent aller Waren rund um die Welt, durch Fischfang, Windkraftanlagen und Ölbohrungen greift der Mensch intensiv in das marine Ökosystem ein. Um die „Soziologie des Meeres“ zu erforschen, wurde Prof. Dr. Tanja Bogusz zum 1. November 2025 neu auf eine Heisenberg-Professur an die Leibniz Universität Hannover (LUH) berufen. Das Heisenberg-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft steht herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern offen, die die Voraussetzungen erfüllen, auf eine unbefristete Professur berufen zu werden.
An der LUH plant die Professorin und Leiterin des Arbeitsbereiches Makrosoziologie und Soziologische Wissenschaftsforschung, ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Konsortium Deutsche Meeresforschung, der Deutschen Allianz für Meeresforschung und ihrem bundesweiten und internationalen meereswissenschaftlichen Netzwerk weiter auszubauen. Im neuen Forschungsbau „Forum Wissenschaftsreflexion“, dessen Eröffnung für 2026 geplant ist, wird sie den LUH-Forschungsschwerpunkt „Wissenschaftsreflexion“ forschungsstrategisch und personell verstärken. „Dort ergibt sich für mich gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Soziologie, der Philosophischen Fakultät und den natur- und technikwissenschaftlichen Fakultäten eine kongeniale Verbindung, um das gesamtgesellschaftlich relevante Thema der Wissenschaftsreflexion im Anthropozän auf breite inter- und transdisziplinäre Füße zu stellen“, erklärt Bogusz.
Bogusz ist gelernte Industriemechanikerin und studierte Soziologie, Romanistik und Journalistik in Hamburg, Paris und Berlin, wo sie auch promovierte. Nach Stationen in Jena, Berlin, Paris und New York wurde sie in Jena habilitiert. Sie übernahm Gastprofessuren in Paris, Kassel und Kiel. Seit 2022 war sie an der Universität Hamburg tätig. Nach zahlreichen Wissenschaftsethnographien in Kooperation mit dem Naturkundemuseum Paris wurde 2018 eine marine Spezies nach ihr benannt: Joculator boguszae. In Hannover wird sie ihre vielfältigen Forschungs- und Lehraktivitäten nun verstetigen. Heute, im Zeitalter des Anthropozäns, werde das Ökosystem Meer maßgeblich vom Menschen geprägt – deshalb sei es überfällig, eine Soziologie des Meeres zu etablieren, sagt Bogusz: „Hier ist Grundlagenforschung nötig – eine Mammutaufgabe, die ich mit Hilfe der Heisenberg-Förderung angehen kann.“