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Die Komamethode. Willensfreiheit, Selbstverantwortung und der Anfang vom Ende der Roten Armee Fraktion im Winter 1984/85
21 Nov
21. November 2019
öffentlicher Vortrag

Die Komamethode. Willensfreiheit, Selbstverantwortung und der Anfang vom Ende der Roten Armee Fraktion im Winter 1984/85

Ende Januar 1985 wurde ein komatöser hungerstreikender Gefangener aus der Roten Armee Fraktion an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) gebracht. Zu diesem Zeitpunkt galten Zwangsernährungen als Praxis fürsorglicher Gewaltanwendung durch den Staat bereits als obsolet. Auch den Hungerstreikenden sollte das Recht auf Selbstbestimmung und Willensfreiheit zukommen. Da dies aber, wie zeitgleich in Großbritannien, auch zum Tod der Gefangenen führen konnte, wurde juristisch und medizinisch die sogenannte Komamethode eingeführt, die einen intensivmedizinischen Eingriff erst dann erlaubte, wenn die hungerstreikende Person ihren freien Willen nicht mehr äußern konnte. Mit der Komamethode wurde die prekäre Ablösung der staatlich-paternalistischen Verantwortung durch eine Pflicht zur Selbstverantwortung so gelöst, dass Dritte – darunter vor allem ein Intensivmediziner – zur Lösung des Konfliktes eingesetzt wurden: Die Non-Compliance eines Militanten musste in die Compliance eines Patienten verwandelt werden. Da zudem der Kampf zwischen RAF und Staat im Akt der Zwangsernährung kulminierte, markieren die Ereignisse an der MHH, die unter den Bedingungen eines polizeilichen Ausnahmezustandes stattfanden, zugleich auch den Beginn der Deeskalation und den Anfang vom Ende der RAF.

Referent/Referentin

PD Dr. Heiko Stoff, Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin der Medizinischen Hochschule Hannover

Veranstalter

Leibniz Forschungszentrum »Center for Inclusive Citizenship« in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover, Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin

Termin

21. November 2019
18:00 Uhr - 19:30 Uhr

Anmeldefrist

15. November 2019

Kontakt

Christiane Schröder
Leibniz Forschungszentrum CINC
Callinstr. 20
30167 Hannover
Tel.: 0511 762-5594
schroeder-sieroux@cinc.uni-hannover.de

Ort

Schneiderberg 50
Geb.: 3109
Raum: V411
Schneiderberg 50
30167 Hannover
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