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Friedrich Karl Rudolf Bergius
Chemiker und Nobelpreisträger

Bild:
F. Bergius um 1930. Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

Bergius entwickelte ein Verfahren zur Herstellung von Dieselöl aus Kohle und Wasserstoff unter hohem Druck sowie ein verbessertes Verfahren zur Umwandlung von Holz in Zucker

Friedrich Bergius wurde am 11.Oktober 1884 in Golschmieden bei Breslau geboren. Seine Eltern Heinrich Bergius und Marie Haase waren Besitzer einer Chemiefabrik. Nach dem Besuch des Realgymnasiums arbeitete er im Labor eines Hüttenwerkes. 1903 begann er sein Studium der Chemie und chemischen Technologie in Breslau. 1907 promovierte er in Leipzig. Sein weiterer Weg führte ihn über Berlin und Karlsruhe im Jahre 1909 zum Physikalischen Institut nach Hannover. Aufgrund der mangelnden Sicherheitsausstattung richtete Bergius sich ein Privatlabor ein. 1912 wurde Bergius mit seiner Habilitationsschrift „Anwendung hohe Drucke bei chemischen Vorgängen und die Nachbildung des Entstehungsprozesses der Steinkohle“ zum Dozenten für reine und angewandte physikalische Chemie an der TH Hannover, wo er bis 1919 Privatdozent war.

1913 meldete Friedrich Bergius ein Verfahren über die Hydrierung von Kohle zum Patent an. Hiermit hatte er den Grundstein für das spätere Bergius-Pier-Verfahren gelegt, das die Produktion synthetischer Kraftstoffe unabhängig von Erdöl ermöglichte.

1914 übernahm Bergius die Leitung des wissenschaftlichen Labors der Theodor Goldschmidt AG in Essen, das 1916 nach Mannheim-Rheinau verlegt wurde. Aufgrund der Inflation kam es zu Finanzierungsproblemen des Projektes, die durch Beteilung anderer Firmen wie Shell und ICI gemindert werden konnten. Größere Projekte waren jedoch nicht möglich und so überließ Bergius 1925 sämtliche Patentrechte der BASF, die mit anderen Großfirmen zur IG Farben AG fusionierte. 1920 wurde er Generaldirektor der Deutschen Bergin AG für Kohle und Erdölchemie.

Nach Verkauf der Patentrechte lebte Bergius in Heidelberg. In Mannheim-Rheinau wurde die erste Anlage zur Holzverzuckerung entwickelt. Aufgrund finanzieller Nöte der Firma musste Bergius sein gesamtes Privatvermögen einsetzen und sein Haus verkaufen. Inflation und Bankenkrisen machten ihn zum mittellosen Erfinder.

1931 erhielt Bergius zusammen mit Carl Bosch den Nobelpreis für Chemie „für ihre Verdienste um die Entdeckung und Entwicklung der chemischen Hochdruckverfahren“.

Bergius erhielt die Ehrendoktorwürde mehrerer Universitäten: Universität Heidelberg 1927, Universität Hannover 1931, Harvard University 1936. 1941 wurde er zum Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gewählt.

Die Nationalsozialisten bemühten sich um Kontakte zu Bergius, doch er hielt sich von ihnen distanziert.

Nach Verlust seines Privatvermögens lebte Bergius in Berlin, wo ihm ein privates Labor für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt wurde. Mit seiner ersten Frau Margarethe Sachs bekam er zwei Kinder (Renate und Johannes), mit seiner zweiten Frau Ottilie Krazert einen Sohn (Wolfgang).

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt er Aufträge zum Bau von Chemieanlagen in Spanien und Argentinien. Am 31. März 1949 verstarb Friedrich Bergius in Buenos Aires.