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Fritz Straßmann, Chemiker

Foto: picture alliance/ dpa

Fritz Straßmann gelang, zusammen mit Otto Hahn, der erste chemische Nachweis der Kernspaltung. Er setzte damit einen wissenschaftlichen Meilenstein.

Fritz Straßmann wurde 1902 in Boppard geboren, einer kleinen Stadt am Rhein. Nachdem ihm eine Lehre wegen seiner zierlichen Statur verwehrt wurde, zog er für ein Studium der Chemie nach Hannover. Zum Sommersemester 1920 schrieb er sich an der Technischen Hochschule ein und wohnte bei seinem Bruder in Wunstorf. Zwischen 1920 und 1929 studierte er in Hannover, legte sein Diplom ab und habilitierte zum Doktor der Ingenieurwissenschaften. Straßmann betonte später, dass ihn die Vielseitigkeit der Hannoveraner Ausbildung entscheidend geprägt habe.

Nach seinem Studium arbeitete Straßmann für kurze Zeit als Assistent am Institut für Physikalische Chemie Hannover. 1929 erhielt er ein Stipendium des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie und siedelte nach Berlin über. Dies führte ihn zu dem Forschungskreis um Otto Hahn und Lise Meitner.

Fritz Straßmann drohten unter dem NS-Regime Repressalien: er war aus dem „Verein Deutscher Chemiker e.V.“ ausgetreten, nachdem dieser nach der Machtübernahme der nationalsozialistischen Linie folgte. Die Habilitation wurde ihm schließlich aus politischen Gründen verweigert. Nachdem Lise Meitner aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1938 emigrieren musste, setzten Straßmann und Hahn die Experimente an der Kernspaltung fort. Im Dezember 1938 gelang den Männern der Durchbruch. Die „Indikatorversuche“ führten zum chemischen Nachweis der Kernspaltung.

Nach Kriegsende siedelte Straßmann mit seiner Frau Maria Heckter und Sohn Martin nach Mainz über. Dort wurde er (ohne Habilitation) zum Ordentlichen Professor an der neu errichteten Johannes-Gutenburg-Universität ernannt. Auch in den folgenden Jahren widmete er sich der Universitätsarbeit und dem Aufbau eines Instituts für Kernchemie.

Ebenso wie Otto Hahn hatte sich Straßmann stets gegen die militärische Nutzung seiner Forschungsergebnisse ausgesprochen. Als Konrad Adenauer 1957 die nukleare Aufrüstung der BRD anvisierte, protestierten er und siebzehn weitere renommierte Atomphysiker mit dem „Göttinger Manifest“.

1972 wurde Fritz Straßmann zum Ehrenbürger der Stadt Mainz ernannt. Er starb am 22. April 1980.

Straßmann sagte später über sich: „Da ich den NS-Machthabern gegenüber die Meinung vertrat, dass ich bei aller Neigung zur Chemie meine persönliche Freiheit so hoch einschätze, dass ich ihr zuliebe auch Steine klopfen würde, bin ich nicht einmal als fanatischer Chemiker und Wissenschaftler einzustufen“.