Rektoren der Technischen Hochschule / Technischen Universität Hannover (1933 - 1975)

NS-BELASTETE REKTOREN

Zu Grunde gelegte Kriterien für eine (substantielle) NS-Belastung

Berücksichtigt wurden diejenigen Rektoren, die potenziell hätten in die NSDAP eintreten können, also bis 1927 geboren waren. Als "substantielle Belastung" gelten: Eintritt in die NSDAP vor dem 30.01.1933, Mitgliedschaften in SS, SD, und SA (mit Ausnahme von aus anderen Organisationen wie z. B. Offiziersvereinigungen korporativ in die SA überführte Personen ohne Rang oder Ausübung einer Funktion nach 1933), Funktionärstätigkeiten in NS-Organisationen, andere Tätigkeiten, die nicht unbedingt eine Parteimitgliedschaft erforderten, wie z. B. solche im Zusammenhang mit dem "Generalplan Ost", der auf eine Germanisierung besetzter Gebiete im Osten mit der vorausgehenden Vertreibung oder Vernichtung der ansässigen Bevölkerung abzielte, oder die Übernahme hochrangiger Positionen vornehmlich im Wissenschaftsbereich - z. B. das Rektorenamt - sowie Propaganda im Sinne der NS-Ideologie in Wort und Schrift. Weitere Erläuterungen hierzu s. Michael Jung, Eine neue Zeit. Ein neuer Geist?, S. 33 ff. Mitgliedschaften in Organisationen wie HJ, BDM, DAF, Reichskulturkammer werden nicht berücksichtigt, es sei denn, es wurden eine oder mehrere Funktionen in ihnen im Erwachsenenalter übernommen.  

Amtszeit zwischen 1933-1945

Die Rektoren Ludwig Klein, Otto Franzius, Horst von Sanden, Hanns Simons, Alexander Matting und Helmut Pfannmüller tragen Mitverantwortung für rassistisch und politisch motiviertes Unrecht an dieser Hochschule und die Unterstützung des nationalsozialistischen Regimes bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Ihre damaligen Handlungen und Verhaltensweisen entsprachen weder den allgemein verbindlichen wissenschaftlichen Standards noch denen einer zivilisierten Gesellschaft. Die Leibniz Universität Hannover bittet alle von den damaligen Unrechtsmaßnahmen Betroffenen und deren Nachfahren um Entschuldigung.

  • Ludwig Klein (*1868, †1945, Amtszeit: 1931-1933)
    Portrait Portrait Portrait © Max Baumann, Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Augsburg, ab 1891 Tätigkeit in einem Industriebetrieb, 1892 bis 1895 Assistent für Maschinenkunde an der TH München. Anschließend erneute Tätigkeit in der Industrie. Ab 1898 zunächst als Dozent u. a. für Maschinenzeichnen, Hebezeuge und Pumpen an der TH Hannover, ab 1899 als Professor und ab 1901 als ord. Professor für Maschinenlehre mit u. a. den Lehrgebieten Hebezeuge und Pumpen, Wasserhaltungs-, Förder- und Gebläsemaschinen, Förderanlagen für Massengüter und Baumaschinen. 1917 Geheimer Regierungsrat, ab 1921 Vorstand des Maschinenlaboratoriums B ((Förderanlagen, Hebezeuge und Pumpen). Emeritierung 1935. Vertretung des Lehrstuhls für Fördertechnik und Baumaschinen von 1940 bis 1943. 1943 Auszeichnung mit der "Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft".

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Rektor der TH 1931 bis 1933. 1931 Ehrenpromotion an der TH Darmstadt.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDDB 1.9.1933 (199.042).

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    K. betätigte sich bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in antisemitischem Sinne. So versuchte er 1932 die Berufung von Hugo Kulka wg. dessen jüdischer Abstammung auf den Lehrstuhl für Eisenbau und Statik zu verhindern. Außerdem bekundete er als Rektor auf öffentlichen Veranstaltungen, wie z. B. bei der zur "feierlichen Eröffnung des ersten Reichstages nach der vaterländischen Erhebung" am 21. März 1933, der Kundgebung zum 1. Mai 1933, dem "ersten Feiertag der nationalen Arbeit" und der Rektoratsübergabe an Otto Franzius am 19. Juni 1933 seine vollständige Unterstützung des NS-Regimes.

  • Otto Franzius (*1877, †1936, Amtszeit: 1933/34)
    Portrait Portrait Portrait © Max Baumann (1923), Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Bremen, Studium des Bauingenieurwesens, ab 1904 bei der Wasserbau-Inspektion Rathenow, ab 1906 bei der Kaiserlichen Werft in Kiel und ab 1907 als Marine-Hafenbaumeister tätig. 1909 bis 1913 Assistent für Schleusen und Kanalbau an der TH Berlin-Charlottenburg, zwischenzeitlich als Hilfsdezernent beim Reichsmarineamt in Berlin. 1913 Staatsbaurat in Bremen und ab Ende des Jahres ord. Professor für Wasserbau an der TH Hannover. Dort 1916 Gründung der Versuchsanstalt für Grundbau und Wasserbau (heutiges Ludwig-Franzius-Institut). 1929/30 Aufenthalt in China als wasserbaulicher Berater der chinesischen Regierung.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Rektor 1933/34. 1931 Ehrenpromotion an der TH Braunschweig. Ab 1921 Mitglied in und Leiter der Wasserwirtschaftlichen Vereinigung Hannover und ab 1928 Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft für Bodenmechanik.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.1.1929 (1.5.1933) (114.614), NSLB/NSDDB, Akademie für Deutsches Recht 1934, Akademie für Landesforschung und Reichsplanung 1935.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Die rückwirkende, im NS-Sinne ehrenvolle Aufnahme von F. in die NSDAP erfolgte auf Grund von weit die zwanziger Jahre zurückreichenden Beziehungen zu führenden Mitgliedern der NSDAP und seiner schon früh einsetzenden Sympathie für den Nationalsozialismus. In seiner Amtszeit als Rektor war er u. a. verantwortlich für die Streichung von Gustav Noske aus der Liste der Ehrenbürger der TH (1933), mitverantwortlich für die Relegation des Studenten Kurt Otto aus politischen Gründen (1934) und mit beteiligt an der Vertreibung von Hugo Kulka aus der Hochschule (1933). Außerdem betrieb er in Hochschulreden und -veröffentlichungen Propaganda für den Nationalsozialismus.

  • Horst von Sanden (*1883, †1965, Amtszeit: 1934-1937)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. auf Gut Gielgudyszky (Russisches Reich, heute Litauen), Studium der Mathematik an den TH München, Dresden und der Universität Göttingen. 1908 Promotion zum Dr. phil. in Göttingen, 1911 Habilitation, von 1912 bis 1918 dort Assistent am Institut für Angewandte Mathematik, unterbrochen vom Kriegsdienst 1914 bis 1918. Anschließend bis 1922 ord. Prof. für Mathematik und Mechanik an der Bergakademie Clausthal. Ab 1922 ord. Professor für Darstellende Geometrie und Praktische Mathematik an der TH Hannover. 1952 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    1957 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1933 (2.957.023), NSDDB.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    In seiner Amtszeit als Rektor begann die in mehreren Stufen erfolgte Vertreibung des Assistenten und Privatdozenten Günter Schiemann von der TH aus rassistischen Gründen. Seine Treue zum NS-Regime drückte S. u. a. in seiner Rede zur Übernahme des Rektorats im Mai 1934 aus, indem er ausrief: " [...] voll Begeisterung schlagen unsere Herzen zum Führer [...]".

  • Hanns Simons (*1900, †1939, Amtszeit: 1937-1939)
    Portrait Portrait Portrait © Will Burgdorf, Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Frankfurt/M., Studium des Bauingenieurwesens. 1922 Assistent am Lehrstuhl für Wasserbau an der TH Karlsruhe, Ab 1922 bis 1935 unterschiedliche Tätigkeiten bei größeren Baufirmen, zuletzt als Leiter der Moskauer Niederlassung der "Siemens-Bauunion" und einer Kanalbaustelle in Oberschlesien. Ab 1935 ord. Professor für Holzbau und Baukonstruktionslehre an der TH Hannover.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    -

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.3.1932 (952.677), NSDDB.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Amtsleiter der NSDAP, Schulungsredner der NSDAP im Kreis Cosel. S. war führend beteiligt an der endgültigen Vertreibung von Günter Schiemann (s. von Sanden) und der Entfernung des ord. Professors für Mechanik Otto Flachsbart von der TH aus rassistischen Gründen.

  • Alexander Matting (*1897, †1969, Amtszeit: 1940-1943)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Berlin, Studium des Eisenhüttenwesens an der TH Breslau mit Abschluss 1925. Anschließend bis 1927 Assistent an der TH Breslau, Promotion dort 1927. Danach kurzzeitig bei der Westfalenhütte Dortmund, bis 1930 beim TÜV Düsseldorf als Sachverständiger für Werkstoffprüfung und Dampfkessselwesen und bis 1935 als Reichsbahnrat und Leiter der Schweißtechnischen Versuchsanstalt der Reichsbahn tätig. Gleichzeitig Lehrauftrag für Schweißtechnik an der TH Breslau. Ab 1935 ord. Professor und Direktor des Instituts für Werkstoffkunde der TH Hannover. 1945 von der britischen Militärregierung entlassen, 1952 Rückkehr an die Hochschule. Von 1950 bis 1952 als wissenschaftlicher Berater beim Instituto de la Soldadura (Schweißtechnik) Madrid tätig. 1966 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet mit dem EK I und II. M. war 1919/20 Mitglied der DNVP und engagierte sich in mehreren Freikorps zu Beginn der zwanziger Jahre. Dekan der Fakultät für Maschinenwesen 1956/57, Mitglied des Senats 1955/56. 1954 Ehrenmitglied des Instituto de la Soldadura und stellvertretender Direktor des Niedersächsischen Materialprüfungsamtes, 1957 bis 1960 dessen Direktor. 1968 Großes Bundesverdienstkreuz.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1933 (2.781.438), NSDDB ab 1935, NSBDT ab 1936, NSSKH ab 1.5.1937, NSAHB ab 1940, NSFK ab 1934, RLB ab 1934, RKB ab 1936, NSV ab 1934, NSRKB (Kyffhäuser) ab 1937.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    1934 erhielt M. das Frontkämpfer-Ehrenkreuz und amtierte als Rektor der TH Hannover von 1940 bis 1943. Im NSAHB war er kurzzeitig Hochschulringführer.

  • Helmut Pfannmüller (*1902, †1977, Amtszeit: 1943-1945)
    Portrait Portrait Portrait © Will Burgdorf, Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Wimpfen/Neckar, Studium des Bauingenieurwesens an der TH Darmstadt, 1924 Dipl.-Ing. Bis 1929 bei einer Stahlbaufirma tätig, 1930 bis 1937 Assistent am Lehrstuhl für Stahlbau und Statik der Hochbaukonstruktionen an der TH Aachen. Dort 1931 Promotion und 1937 Habilitation. 1938 ord. Professor für Statik und Stahlbau an der TH Hannover. 1945 von der Militärregierung entlassen. Nach Internierung ab 1948 Führung eines eigenen Ingenieurbüros, 1953 wieder auf einem Lehrstuhl für Stahlbau an der TH Hannover. 1970 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    1972 Ehrenpromotion an der TU München.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.2.1933 (lt. NSDDB-Kartei bereits 28.10.1932; die Mitgliedsnummer weist auf die Stimmigkeit dieser Angabe hin) (1.441.218), NSDDB 1.6.1934 (289.211), SA.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    P. war als NSDDB-Führer an der TH Aachen 1936/37 tätig, 1939 bis 1943 hatte er diese Funktion an der TH Hannover inne. Von 1943 bis 1945 war er Gaudozentenführer im Gau Süd-Hannover-Braunschweig. In der SA agierte er als weltanschaulicher Referent. Außerdem war er von 1940 bis 1943 Prorektor und dann bis zu seiner Entlassung Rektor der TH Hannover.

Amtszeit zwischen 1945-1971

Auch nach dem 8. Mai 1945 amtierten Rektoren, die durch Mitgliedschaften und Funktionärstätigkeiten in NS-Organisationen, propagandistische Aktivitäten oder die Übernahme von höherrangigen Positionen im NS-Staats-, Wissenschafts- oder Militärapparat zum reibungslosen Funktionieren des Unrechtsregimes auf unterschiedliche Art und Weise beigetragen hatten. Von keinem von ihnen ist bekannt, dass er später Verantwortung für seine Tätigkeiten in der Zeit des Nationalsozialismus übernommen hätte, noch gab es seinerzeit an der Hochschule eine kritische Auseinandersetzung über deren Vergangenheit. Es handelt sich hierbei um die Rektoren (in zeitlicher Abfolge): Conrad Müller, Walter Großmann, Hans Schönfeldt, Johannes Schlums, Walter Theilacker, Wilhelm Nicolaisen, Egon Martyrer, Wilhelm Wortmann, Hans Oskar Wilde, Albert Vierling, Walter Renard, Eduard Pestel, Hermann Böhrs und Jürgen Wehrmann.

Zwei der Rektoren heben sich etwas von dieser Gruppe ab: Conrad Müller durch nicht NS-konformes Verhalten gegenüber einigen jüdischen Kollegen und Eduard Pestel durch seinen späteren Einsatz für intensive Wissenschaftsbeziehungen zu Israel.

  • Conrad Müller (*1878, †1953, Amtszeit: 1945-1947)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Bremen, nach Abitur in Stade Studium der Mathematik und Naturwissenschaften sowie Sanskrit an den Universitäten Freiburg/Br., Berlin und Göttingen. 1900 bis 1903 als Assistent für Mathematik an der Universität Göttingen, 1903/04 dort Promotion mit einer Arbeit zur Geschichte der Mathematik sowie Lehramtsprüfung. Zwischen 1903 und 1910 unterschiedliche Tätigkeiten an den Universitätsbibliotheken Göttingen und Königsberg. In dieser Zeit (1908) Habilitation für Mathematik in Göttingen. Ab 1910 ord. Professor für Höhere Mathematik an der TH Hannover. Mitarbeit an der von Felix Klein herausgegebenen "Encyklopädie der mathematischen Wissenschaften". M. widmete sich intensiv der Erforschung der Mathematik Indiens. Emeritiert 1948.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    1919 bis 1923 und 1945 bis 1947 Rektor der TH. In der Weimarer Republik mehrmals Dekan der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften und damit gleichzeitig Mitglied des Senats. Mitglied in: Deutsche Mathematiker-Vereinigung, Kommission der Berliner Akademie der Wissenschaften für die naturwissenschaftlich-technischen und mathematischen Schriften von Leibniz.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSV ab Mai 1936, NSBDT, RKB, NSAHB ab Mai 1937.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Im NSAHB der TH amtierte M. ab 1940 für ein Jahr als "Ringführer" (Leiter). Von Oktober 1939 bis Februar 1940 war M. geschäftsführender Rektor und 1944/45 agierte er als amtierender stellvertretender Rektor der Hochschule. Dekan der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften war er von 1939 bis 1945. Die Ämter, die er in der Hochschule in der Zeit des Nationalsozialismus ausgefüllt hatte, verweisen darauf, dass er sowohl durch die Partei, das zuständige Ministerium als auch die Hochschule so eingeschätzt wurde, dass er die Gewähr bot, sich 'jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat einzusetzen', wie die gängige Formel damals lautete. Anders wäre die Übernahme seiner hochrangigen Funktionen nicht denkbar gewesen.

    In den Jahren von 1936 bis 1941 engagierte er sich im Vorstand der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) als Schriftführer. Ab 1935 wurden auch in diesem Verband jüdische Mitglieder zunehmend ausgeschlossen. Spätestens ab Ende 1938, möglicherweise unter Einfluss des Akademieerlasses des Reichserziehungsministeriums, "der den wissenschaftlichen Akademien, nicht den Gesellschaften, Satzungsänderungen vorschrieb und insbesondere das Ausscheiden reichsdeutscher Mitglieder forderte, sofern sie jüdisch, 'jüdisch versippt' oder 'Mischlinge' waren", geriet die "Judenfrage" auch in der DMV auf die Tagesordnung. Müller soll dabei auf zweierlei Weise taktiert haben. Einerseits versuchte er - erfolglos - zu erreichen, dass zumindest verdiente Mitglieder mit jüdischer Herkunft nicht vollends aus der Vereinigung vertrieben wurden. Außerdem schlug er "zu der [in der Mathematiker-Vereinigung aufgestellten] Liste [vor, von denen], die vielleicht Juden sind, ehe nichts genaues feststeht, anzunehmen, dass sie keine Juden sind" und sie damit in der Vereinigung zu belassen. Andererseits verweigerte er seinen drei Vorstandskollegen die Mitwirkung an der Stellungnahme der DMV zur "Judenfrage", so dass sie verzögert wurde. Im Jahre 1941 gab Müller seinen Vorstandsposten in der DMV auf.

    1933 bewahrte M. Stillschweigen über sein Wissen zur Abstammung seines Kollegen Friedrich Quincke, Rektor der TH von 1927 bis 1929, der eine jüdische Mutter hatte. Das war wohl nur drei Personen in der Hochschule bekannt. Dieses Schweigen trug wahrscheinlich zu einer regulären Emeritierung des gesundheitlich stark angeschlagenen und 1934 verstorbenen Quincke bei.

  • Walter Großmann (*1897, †1980, Amtszeit: 1950/51)
    Portrait Portrait Portrait © Kurt Julius, Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Norden,1920 bis 1922 Studium der Geodäsie und Landeskulturtechnik an der Landwirtschaftlichen Hochschule Bonn, danach Tätigkeit in der Katasterverwaltung. Ab 1928 Assistent an der TH Berlin-Charlottenburg, dort 1931 Dipl.-Ing. und 1932 Promotion zum Dr.-Ing.. Bis 1935 Tätigkeit am Preußischen Geodätischen Institut Potsdam, danach Referent im Reichsministerium des Inneren. 1937 Habilitation an der TH Berlin-Charlottenburg mit nachfolgendem Lehrauftrag. 1938-1943 leitende Tätigkeiten in der Landesvermessung. 1943 ord. Professor an der TH Hannover für Geodäsie und Direktor des Geodätischen Instituts. 1965 emeritiert, jedoch anschließende Vertretung des Lehrstuhls bis 1968.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Für den Ersten Weltkrieg Verleihung der Orden: EK II (1916), EK I (1918), Verwundetenabzeichen (1919). Ab 1950 Mitglied der deutschen Geodätischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1955 bis 1960 als deren Vorsitzender, 1953 bis 1963 als deutscher Vertreter in der International Gravity Commission, ab 1959 Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, 1960 bis 1963 in der "International Association of Geodesy" als Sekretär der Sektion Gravimetrie, in derselben Zeit Vorsitzender der Deutschen Union für Geodäsie und Geophysik und 1961-1963 Präsident der Kommission für Geodäsie und Geophysik bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1961 Ehrenpromotion an der TH Stuttgart, 1965 Johann Ritter von Prechtl-Medaille der TH Wien und Helmert-Gedenkmünze in Gold des Deutschen Vereins für Vermessungswesen, 1967 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5. 1937 (4.199.161), NSDDB, SA ab 1934, NSV 1935-1945, NSAHB, NSBDT, RLB 1934-1945.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Ab 20.4.35 agierte G. als SA-Sturmführer und in der NSDAP (OG Eppendorf-Ost) war er ab 1940/41 zudem als Blockhelfer aktiv, was er jedoch in seinem Fragebogen verschwiegen hatte. 1941 wurde ihm das Kriegsverdienstkreuz verliehen.

  • Hans Schönfeld (*1903, †1978, Amtszeit: 1954-1956)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Oschersleben, Studium der Elektrotechnik an der TH Berlin-Charlottenburg. 1928 bis 1934 Tätigkeiten bei der Reichspost in Berlin, Stendal und Hamburg. 1934 bis 1939 Referent für die gesamte Nachrichtentechnik bei der Landespostdirektion der Freien Stadt Danzig. 1939 bis 1943 ord. Professor für Fernmeldetechnik an der TH Danzig, 1943/44 ord. Professor für Fernmeldetechnik an der TU Istanbul, 1944/45 wieder in alter Funktion an der TH Danzig. 1946 bis 1949 Oberpostrat bei der Reichsoberpostdirektion der Britischen Zone. 1949 Berufung auf den Lehrstuhl für Fernmeldetechnik und gleichzeitig Direktor des gleichnamigen Instituts der TH Hannover. 1971 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    1952 bis 1954 Prorektor, Dekan der Fakultät für Maschinenwesen 1964/65 und 1966/67. Mitglied des Senats 1956 bis 1958, 1961 bis 1964 und 1965/66. 1967 Verleihung des DIN-Ehrenrings des Deutschen Normungsausschusses (DNA), 1972 Verleihung des französischen Ordens "Palmes Académiques", 1974 Ehrenmitglied des VDE.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1936 (3.721.620), SA 1933-1934, SS 1934-1945 (241.758), NSV 1934-1943, NSBDT 1937 bis 1945, NSAHB ab 1939.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Bis Ende 1937 stieg S. in der SS bis zum SS-Oberscharführer auf. Er war Teilnehmer des vorletzten Reichsparteitages der NSDAP im Jahre 1937 und erhielt am 21.12.1938 den "Julleuchter", eine Auszeichnung, die vom "Freundeskreis Reichsführer SS" verliehen wurde. Am 13.1.1939 änderte er die Bezeichnung seines religiösen Bekenntnisses von "ev." in "gottgläubig". Dieser Begriff wurde 1936 für diejenigen Personen eingeführt und z. B. in den Melderegistern eingetragen, die vor allem aus ideologischen Gründen aus einer Kirche ausgetreten waren. "Gottgläubig" galt als "Ausweis besonderer ideologischer Nähe zum Nationalsozialismus".

  • Johannes Schlums (*1903, †1980, Amtszeit: 1956/57)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Leipzig, Studium des Bauingenieurwesens an der TH Dresden mit dem Abschluss Dipl.-Ing. (1926), Assistententätigkeit 1927 bis 1929, Promotion 1929. Anschließend beschäftigt als Bauleiter und von 1930 bis 1934 als Regierungsbauführer und -meister bei der Sächsischen Straßen- und Wasserbauverwaltung, danach Baurat, Bauamtsvorstand und Gebietsreferent in der Mark Brandenburg. 1939 Habilitation und ab 1.9.1939 ord. Professor und Direktor des Instituts für Straßenbau und Verkehrswesen an der TH Berlin-Charlottenburg. 1949 bis 1961 ord. Professor für Verkehrswirtschaft, Straßenwesen und Städtebau an der TH Hannover, von 1961 bis zur Emeritierung 1972 ord. Professor für Straßen- und Verkehrswesen und Direktor des Instituts für Straßenverkehrstechnik an der TH/Universität Stuttgart.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Dekan der Fakultät für Bauwesen 1951/52, Mitglied des Senats 1955 bis 1958. Seit 1930 Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, ab 1950 des Forschungsbeirates und mehrerer Arbeitsausschüsse der Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen, ab 1953 des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesminister für Verkehr, ab 1964 der Sachverständigenkommission für die Untersuchung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden; 1966 "Goldener Dieselring" des Verbandes der Motorjournalisten; 1979 Ehrendoktorwürde der Fakultät für Bauwesen der Universität Hannover.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1937 (4.509.174), SA 1.11.1933-Februar 1936, NSDDB ca. 1940-1945, NSBDT 1939-1945, NSV 1.10.1934-1945, RLB 4.10.33-1945.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    S. gab im Entnazifizierungsverfahren an, dass er nach seinem dienstlichen Wechsel von Sachsen nach Brandenburg zum 1. November 1934 keinen Dienst mehr bei der SA geleistet hätte und deshalb diesen Zeitpunkt als Austrittsdatum betrachtete. Auf wissenschaftlichem Gebiet unterstützte S. durch Veröffentlichungen zum Straßen- und Wegebau in den "neu eingegliederten Ostgebieten" die Politik der im "Generalplan Ost" vorgesehenen und teilweise bereits praktizierten gewaltvollen ethnischen Säuberung eroberter Gebiete (euphemistisch als "Eindeutschung" bezeichnet).

  • Walter Theilacker (*1903, †1968, Amtszeit: 1957/58)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Heidenheim, Studium der Chemie an der Universität Tübingen, dort Assistent von 1926 bis 1929, zwischenzeitlich Promotion zum Dr. rer. nat. 1930 Assistent an der TH Karlsruhe, 1934 Habilitation an der Universität Tübingen und bis 1935 Lehrtätigkeiten dortselbst. 1940 Ernennung zum apl. Professor und von 1940 bis 1943 Vertretung des Lehrstuhls für Chemie an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim sowie 1943 bis 1944 des gleichen Lehrstuhls an der Universität Tübingen. 1944 außerordentlicher Professor für Strukturchemie in Tübingen. Ab 1949 ord. Professor für organische Chemie an der TH Hannover.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Dekan der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften 1951 bis 1952.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1937, SA 1934, NSDDB 1934-1945, RLB.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Im NSDDB war T. seit 1934 Zellenobmann und von 1942 bis 1944 stellvertretender Dozentenführer. Im RLB bekleidete er das Amt eines stellvertretenden Führers der "Orts-Kreis-Gruppe" Tübingen.

  • Wilhelm Nicolaisen (*1901, †1973, Amtszeit: 1958/59)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Flensburg, nach landwirtschaftlicher Berufsausbildung Studium der Landwirtschaft an der Universität Halle, 1924 bis 1933 Assistententätigkeit an den Universitäten Kiel und Halle, an letzterer 1927 Promotion und 1933 Habilitation für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung. 1934 Vertretung einer Professur an der Universität Kiel, 1935 Institutsdirektor und Professor an der Preuß. Versuchsanstalt für Milchwirtschaft in Kiel mit gleichzeitiger Lehrtätigkeit an der Universität. 1942 bis 1945 ord. Professor an der Universität Königsberg.Zwischen 1945 und 1949 Leitung verschiedener Saatzuchtbetriebe. Ab 1949 ord. Professor für Gemüsebau und Direktor des gleichnamigen Instituts an der Hochschule für Gartenbau und Landeskultur Hannover, ab 1952 Fakultät IV der TH Hannover.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Dekan der Fakultät IV der TH Hannover von 1954 bis 1956. Ehrenpromotion an der TH München 1966.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1. 5. 1933 (2.261.197), NSV ab 1935, SA bis Ende 1934, NSKK 1933/34,NSDDB, Reichsbund deutscher Diplomlandwirte ab 1922 (später: NS-Arbeitsgemeinschaft akademisch gebildeter Landwirte).

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    In der NSDAP übernahm N. ab Juni 1936 die Funktion eines Blockleiters, war spätestens ab 1939 auf höherer Ebene als "Ortgruppenamtsleiter" für die NSDAP tätig sowie auch in führender Postion als Propaganda- und Pressewart der NSV. Seit 1922 engagierte er sich beim Reichsbund deutscher Diplomlandwirte u. a. als Landesführer und ab Juni 1933 als Kreisobmann, ab Dezember desselben Jahres als Gauobmann (Gau Halle-Merseburg) der Nachfolgeorganisation des Reichsbundes, der "N.S. Arbeitsgemeinschaft akademisch gebildeter Landwirte". In dieser Funktion hatte er sich offensichtlich im Sinne des Nationalsozialismus bewährt. Wie der Reichsbauernführer in einem Schreiben an das REM vom "26. Hornung (Febr.) 1935" in einer politischen Beurteilung anlässlich der beabsichtigten Ernennung von N. zum Leiter der Preuß. Versuchs- und Forschungsanstalt für Milchwirtschaft in Kiel mitteilte, stellte er "als Kreis- und Gauobmann der NS-Arbeitsgemeinschaft sein organisatorisches Können unter Beweis. Es war ihm seinerzeit glänzend gelungen, die Organisation der NS-Arbeitsgemeinschaft vorbildlich aufzuziehen." Deshalb sei er für diesen Posten auch "in jeder Weise ... politisch" und "charakterlich" geeignet. Diese Beurteilung - wie auch weitere ähnlich lautende - war zumindest hilfreich bei dem letztendlich für N. erfolgreich abgeschlossenen Besetzungsverfahren für die Kieler Position. Spätestens aus dieser Zeit stammt auch die Bekanntschaft mit dem hochrangigen SS-Mitglied und "Generalplan Ost"-Verfasser Konrad Meyer, der nach 1945 Kollege von N. an der Fakultät IV der THH wurde. Im Hochschulbereich engagierte er sich im Sommersemester 1934 während eines Gastspiels an der Kieler Universität als "Kommissarischer Führer der Dozentenschaft". Nach seiner 1942 erfolgten Berufung an die Universität Königsberg übte er dieses Amt (wahrscheinlich bis zum Ende der NS-Herrschaft) aus, nunmehr allerdings nicht mehr nur kommissarisch. 1938 nahm Nicolaisen am "Reichsparteitag Großdeutschland" teil und im Zweiten Weltkrieg wurde ihm das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse verliehen.

  • Egon Martyrer (*1906, †1975, Amtszeit: 1959/60)
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    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Seehausen (Altmark), Studium des Maschinenbaus an der TH Hannover 1924 bis 1929. 1929 bis 1932 Assistent an der TH Aachen (Wasserturbinen und Allgemeiner Maschinenbau), Promotion 1932, anschließend bis 1936 als Konstrukteur und Entwicklungsingenieur bei einer Pumpen- und Armaturenfirma in der Pfalz tätig, danach bis 1938 als Stellvertreter des Technischen Direktors einer Molkerei- und Kühlmaschinenfabrik in Hildesheim. 1. 4. 1938 ord. Professor für Maschinenelemente, Wasserturbinen und Schleuderpumpen an der TH Danzig, vom 21. 11. 1941 bis 1945 Rektor. 1945 bis 1948 als Industriesachverständiger tätig, ab 1. 1. 1949 ord. Professor für Maschinenelemente und hydraulische Strömungsmaschinen an der TH Hannover, 1971 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    1950 bis 1952 Vorsitzender im Bezirk Hannover des VDI; 1952 bis 1954 Vorsitzender des Studentenhilfswerks der hannoverschen Hochschulen; 1955 bis 1959 Vorsitzender Ausschuss Maschinenwesen der DFG; ab 1959 Mitglied des Vorstandes des VDI, 1960 bis 1962 dessen Vorsitzender; 1960 bis 1969 und 1971 bis 1975 Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der TH Danzig; 1963 bis 1968 Mitglied im Gründungsausschuss der Universität Dortmund; 1970 Goldenen Ehrenmünze des VDI; 1971 Goldene Ehrennadel des VDI; 1971 Niedersächsische Verdienstmedaille mit dem Großen Verdienstkreuz; 1971 Karmarsch-Gedenkmünze.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1937 (4.378.597), NSKK 1933-1945, NSDDB 1938-1945, NSV, NSBDT, NSAHB, TN.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    M. war als Truppführer im NSKK aktiv, als "Gefolgschaftsführer" von Danzig der "Technischen Nothilfe" weit oben in der Hierarchie dieser zur Dienstelle des Reichsführers SS gehörenden Einrichtung angesiedelt und amtierte als stellvertretender Vorsitzender des VDI im NSBDT. Ab Ende 1939 bekleidete er das Amt des Prorektors der TH Danzig. Zu M.s Amtseinführung als Rektor (im Januar 1942) stellte die Tageszeitung "Danziger Neueste Nachrichten" fest: "Bei dem neuen Rektor [ist] die Gewähr gegeben, daß er den Aufgabenkreis, der der Reichshochschule in der Gesamtheit der Großdeutschen Hochschulen erwächst, mit Erfolg meistern wird." Rektor konnte nach der 1934 erfolgten Einführung des Führerprinzips an den Hochschulen nur derjenige werden, der gewährleistete, dass er über eine besonders starke Bindung zum Nationalsozialismus verfügte. 1939 erhielt M. das EK II. (S. auch Kap. III., 4., S. 67 f.)

  • Wilhelm Wortmann (*1897, †1995, Amtszeit: 1960/61)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Bremen, nach Abschluss des dortigen Humanistischen Neuen Gymnasiums Studium der Architektur an der TH München. 1916 und 1917 Teilnahme am Ersten Weltkrieg, anschließend bis 1919 in britischer Kriegsgefangenschaft. Ab 1920 Fortsetzung des Architekturstudiums an der TH Dresden, 1924 Diplom-Prüfung. Anschließend Tätigkeit in einem Architekturbüro, 1926 Wechsel an das Stadtbauamt in Halle und noch im selben Jahr in die Oberbaudirektion Hamburg unter der Leitung von Fritz Schumacher. Von 1928 bis 1932 im Stadtplanungsamt Bremen, danach für zwei Jahre als freier Architekt tätig. Bis zu seiner Entlassung im Stadtplanungsamt Bremen tätig, Aufstieg dort zum Oberbaurat und am 26. Januar 1945 zum Baudirektor. Nach dem Zweiten Weltkrieg war W. von 1946 bis 1949 als Technischer Leiter der "Aufbaugemeinschaft Bremen e. V." tätig und anschließend bis 1956 als freier Architekt. In diesem Jahr Ruf auf den Lehrstuhl für Städtebau, Wohnungswesen und Landesplanung an der TH Hannover, von 1963 bis 1965, dem Jahr seiner Emeritierung, war er auch Direktor des gleichnamigen Instituts.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    1960/61 Rektor der TH, von 1958 bis 1960 und 1964/65 Dekan der Fakultät für Bauwesen. 1962 Gründung des Instituts für Entwicklungsplanung und Strukturforschung, Leitung von 1965 bis 1973 und in denselben Jahren auch der Arbeitsgruppe Standortforschung. Außerdem war W. seit 1973 Gesellschafter und Aufsichtsratsmitglied im Institut für Regionale Bildungsplanung, Mitglied in der Deutschen Akademie für Städtebau (ab 1931, 1964 bis 1969 als Vizepräsident, ab 1979 Ehrenmitglied), ab 1938 in der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft und ab 1965 Korrespondierendes Mitglied der Akademie für Raumforschung und Landesplanung. 1969 wurden ihm die Ehrendoktorwürde der TH Aachen und der Preis für Städtebau der Fritz-Schumacher-Stiftung, 1972 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Cornelius-Denkmünze der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung sowie 1977 die Bremer Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.7.1937 (4.673.685), SS und SA ab 1933 (Fördermitglied), NSBDT, NSKOV, NSV, RLB (alle 1935), VDA 1936.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Fördermitglied in SS und SA, im NSBDT Leiter des "Arbeitskreises Stadt- und Landesplanung". Nach Friedrich Lindau arbeitete er ab 1940 auch am "Generalplan Ost" des Reichsführers SS mit. Außerdem gehörte er zum "Arbeitsstab Dr. Wolters" (Arbeitsstab für den Wiederaufbau zerbombter Städte im Ministerium Speer) und anderen Arbeitskreisen, die sich mit nazistisch geprägten Planungen für die Nachkriegszeit beschäftigten. Ab 1942 kommissarischer Leiter der Stelle Wohnung und Siedlung im Rassepolitischen Amt der NSDAP. Wortmann trug darüber hinaus in der NS-Zeit mit Vorträgen und Veröffentlichungen auch zur Verbreitung der rassistischen NS-Ideologie bei.

  • Hans-Oskar Wilde (*1907, †1981, Amtszeit: 1961/62)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Berlin, Studium der Anglistik, Germanistik, Theologie und Philosophie an der Universität Breslau, 1929 Promotion und 1932 Habilitation in Anglistik. Zwischenzeitlich 1930/31 Forschungsaufenthalt an der Universität Birmingham. Nach Privatdozentenschaft in Breslau, Umhabilitierung an die Universität Berlin und Lehrstuhlvertretung in Königsberg Berufung auf die ord. Professur für Anglistik an der Universität Göttingen. 1941 auf eigenen Wunsch Berufung an die Universität Posen. Nach Teilnahme am Zweiten Weltkrieg und Gefangenschaft 1949 bis 1954 Hochschulreferent im Nds. Kultusministerium, 1955 bis zur Emeritierung 1975 ord. Professor für Auslandskunde und Anglistik an der TH Hannover.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Prorektor 1960 bis 1961.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1937 (4.610.645), SA ab 11/1933, NSDDB ab 1937, NSV.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    W. war Mitglied im "Maikowski-Ehrensturm" der SA, benannt nach einem vermeintlichen nationalsozialistischen Opfer von Auseinandersetzungen, das zum NS-Helden stilisiert wurde, und dort Rottenführer. Auch nach seiner Übersiedlung nach Göttingen übte er den SA-Dienst "regelmässig" aus. 1935 bis 1937 war er Dekan an der Göttinger Universität. W. war in der Göttinger NS-Szene durchaus nicht unumstritten, jedoch wurde er vom örtlichen NS-Dozentenbund als jemand eingeschätzt, der "große Dienste" für den NSDDB geleistet habe, sich allerdings wohl kaum zu einem "aktiven Kämpfer der Bewegung entwickeln wird." Die Zweifel an seiner Zuverlässigkeit scheinen ihm jedoch nicht geschadet zu haben, wie an der auf eigenen Wunsch erfolgten Berufung nach Posen ersichtlich ist.

  • Albert Vierling (*1899, †1989, Amtszeit: 1963/64)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Straubing, Studium des Maschinenbaus an der TH München mit dem Abschluss Dipl.-Ing. 1922. Danach bis 1925 als Konstrukteur tätig. 1925 bis 1930 Assistent und von 1930 bis 1935 hauptamtlicher Dozent an der Bergakademie Clausthal, dort 1929 Promotion zum Dr.-Ing. und 1932 Habilitation für Maschinenkunde. 1935 bis 1945 ord. Professor für Fördertechnik an der TH Hannover, 1945 bis 1949 "Zivilingenieur", da von der britischen Militärregierung entlassen, ab 1949 bis zur Emeritierung 1967 wieder in vorheriger Funktion an der TH Hannover, nach Emeritierung Vertretung des Lehrstuhls bis 1969.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Dekan der Fakultät für Maschinenwesen 1953/54. 1973 Ehrenpromotion an der Universität Karlsruhe (TH), 1977 Ehrenmünze des VDI in Gold.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1. 5. 33 (2.377.186), SA ab 1933, NSDDB, NSBDT, NSAHB, NSV, RLB.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Maßgebend für die Entlassung von V. am 6. August 1945 durch die britische Militärregierung waren seine vielfältigen Funktionen, die er in der NS-Zeit ausgeübt hatte: Er war Scharführer in der SA (ab 1934), bekleidete bis zu seinem Weggang aus Clausthal den Posten eines Kreisfilmstellenleiters der NSDAP und war ab 1937 bis Ende 1938 Dozentenbundsführer an der TH Hannover, ein Amt, das er stellvertretend auch noch bis Ende Oktober 1939 ausübte. Außerdem amtierte er als Dekan der Fakultät für Maschinenwesen vom Sommersemester 1939 bis zum 30.4.1943. 1937 Verleihung des Abzeichens des Freikorps Epp für die Teilnahme an den Kampfeinsätzen vom Mai bis Dezember 1919, 1934 Frontkämpferehrenkreuz für die Teilnahme am Ersten Weltkrieg.

  • Walter Renard (*1904, †1994, Amtszeit: 1964-1966)
    Portrait Portrait Portrait © Wöltje, Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Chemnitz, Studium des Maschinenbaus an der TH Dresden, 1929 Dipl.-Ing. 1929 bis 1935 Assistent am Landmaschineninstitut der Universität Leipzig und gleichzeitiges Studium der Landwirtschaft. 1936 bis 1937 leitende Tätigkeit im Reichsnährstand. 1937 bis 1945 außerord. Professor für Landtechnik in Leipzig, danach bis 1949 Kriegsgefangenschaft und Führung eines eigenen Ingenieurbüros. Ab 1950 ord. Professor für Technik im Gartenbau und Direktor des gleichnamigen Instituts an der Hochschule für Gartenbau und Landeskultur Hannover, ab 1952 Fakultät IV der TH Hannover. 1972 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Ab 1966 Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSBO, NSV; NSBDT, NSAHB 1936-1945, RLB 1936-1945

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Agierte als Amtswalter der NSBO und der DAF. In seinem Entnazifierungsfragebogen verschwieg er diese Mitgliedschaften und Tätigkeiten. Seine Berufung auf die Professur in Leipzig erfolgte ohne Promotion und Habilitation. Es ist anzunehmen, dass gute politische Beurteilungen dabei eine Rolle gespielt haben. R. arbeitete ab 1.12.1939 bis mind. Mitte 1941 nebenamtlich ("etwa 8-10 Tage monatlich") in den besetzten Gebieten Polens ("Generalgouvernement") "auf dem Gebiet der Landmaschinenherstellung und des Landmaschineneinsatzes". Er war damit an den nationalsozialistischen Unrechtsmaßnahmen beteiligt. R. erhielt im Zweiten Weltkrieg das Kriegsverdienstkreuz.

  • Eduard Pestel (*1914, †1988, Amtszeit: 1969/70)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Hildesheim, nach Maurerlehre Studium in Hildesheim (Höhere Technische Staatslehranstalt für Hoch- und Tiefbau), an der TH Hannover und - mit einem Stipendium des DAAD - dem Rensselaer Polytechnic Institute (USA) mit dem Abschluss Master of Civil Engineering (1939). Danach Anstellungen an deutschen Einrichtungen in Mexiko, Washington und Kobe (Japan). 1942 bis 1947 leitende Tätigkeiten in technischen Firmen in Osaka (Japan). 1947 Promotion zum Dr.-Ing an der TH Hannover, danach Assistent am Institut für Mechanik. 1950 Habilitation für dieses Fachgebiet, anschließend Dozent und apl. Professor (1953). 1957 bis 1977 ord. Professor und Direktor des Instituts für Mechanik an der TH/TU Hannover.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Dekan der Fakultät für Maschinenwesen 1961 bis 1962. 1953 bis 1955 und 1959 bis 1961 Mitglied des Senats. Ab 1959 Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft; 1965 bis 1971 Mitglied in Senat und Hauptausschuss und 1971 bis 1977 Vizepräsident der DFG; ab 1966 Mitglied im Nato-Wissenschaftsausschuss; ab 1969 des Kuratoriums der Stiftung Volkswagenwerk, 1977 bis 1979 dessen Vorsitzender; ab 1969 Mitglied des Executive Committee des Club of Rome; ab 1974 Vorsitzender des Senats der Fraunhofer Gesellschaft; 1977 bis 1981 Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kunst; 1982 führend beteiligt an der Wiedergründung der von Albert Einstein ins Leben gerufenen Deutschen Technion-Gesellschaft zur Unterstützung der Technischen Hochschule Israels in Haifa und Förderung der Beziehungen mit Israel.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDStB 1.10.33, SA 1.10.33, NSDAP-Anwärter ab 1941.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Im NSDStB übernahm P. bis August 1935 die Funktion eines "Arbeitsgemeinschafts-führers" und in der SA bekleidete er den Rang eines Rottenführers im "Nachrichtensturm, Standarte 79" in Hildesheim. Von dem "Führer" dieser SA-Einheit wurde er im November 1936 als "guter, zuverlässiger SA Mann und Kamerad" beurteilt. Ab Anfang 1944 übte er (in Japan) die Funktion als kommissarischer Blockwalter in der NSDAP aus. Am 4. November 1938 schrieb er aus den USA einen Bericht an die Leitung der TH Hannover, in dem er Auskünfte über seine Situation an der amerikanischen Hochschule und politische Aspekte seines neuen Umfelds gab. In einem Satz ließ er dabei eine klare antisemitische Haltung erkennen: "Dagegen ist [in den USA] eine wachsende Abneigung gegen die Juden zu bemerken, die im Augenblick jedoch in keiner Weise imstande ist, den überwältigenden Einfluß der Juden im Osten der Staaten zu brechen oder überhaupt mit ihm entgegenzuarbeiten, daß jedoch Anstrengungen gemacht werden, mag Ihnen der kl. beigelegte Zettel beweisen." Bei dem "beigelegten Zettel" (ein kleines Flugblatt) handelte es sich um einen Auszug aus dem sog. "Journal of James Pinckney", in dem übelste antisemitische Propaganda betrieben wird. P. hat sich nach 1945 öffentlich nicht zu seiner NS-Vergangenheit erklärt, mit großer Wahrscheinlichkeit trifft das auch auf sein berufliches Umfeld zu.

  • Hermann Böhrs (*1905, †1983, Amtszeit: 1970/71)
    Portrait Portrait Portrait © Klaus Berger, Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Hannover, nach Studium an der Ingenieurschule Hamburg von 1927 bis 1946 bei den Continental-Gummiwerken und Voigtländer tätig, bei letzterem Unternehmen ab 1941 als stellvertretendes Vorstandsmitglied. Nach Erwerb der Hochschulzulassung durch eine Sonderprüfung und weiteren Studien mit Promotion zum Dr. rer. nat.1941 an der TH Braunschweig dort Habilitation 1949. Von 1947 bis 1953 Hauptgeschäftsführer beim Verband für Arbeitsstudien (REFA), bis 1951 Lehrbeauftragter für Betriebswirtschaftslehre an der TH Braunschweig und von 1952 bis 1956 in gleicher Funktion an der TH Darmstadt tätig. Seinen Haupterwerb erwirtschaftete er sich zwischen 1953 und 1956 freiberuflich als Industrieberater für Organisation und Leistungsentlohnung. In diesem Jahr auf die außerordentliche Professur für Betriebswirtschaftslehre an der Handelshochschule St. Gallen. Ab 1960 ord. Professor für dieses Fach an der TH/TU Hannover. 1973 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    1970/71 Rektor, 1964/65 Dekan der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1933 (2.312.742), NSV, NSBDT, RLB.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    Funktionen in NS-Organisationen übte B. nicht aus. Dies bewog ihn nach 1945 zu der Behauptung, sich bereits kurz nach seinem Eintritt in die NSDAP innerlich von ihr abgewandt zu haben. Das ist nachweislich falsch: In vielen seiner fachbezogenen Veröffentlichungen bis 1944 betrieb er Propaganda im Sinne des Nationalsozialismus. Z. B. rief er in Anlehnung an Goebbels Proklamation des "totalen Krieges" zur "totalen Rationalisierung" der deutschen Wirtschaft auf. Auf die Inhalte dieser Veröffentlichungen verwies er im Zusammenhang mit seinem Entnazifizierungsverfahren mit keinem Wort.

  • Jürgen Wehrmann (*1917, †1998, Amtszeit: 1971/72)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Stettin, nach Landwirtschaftsausbildung von 1945 bis 1947 Studium der Landwirtschaft an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim und der Universität Kiel, Diplom-Abschluss 1950. Danach wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kiel, Promotion 1953 und von 1954 bis 1965 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forstlichen Forschungsanstalt München. 1959 Habilitation an der Universität München, 1963 bis 1965 Professor an der Universität Addis Abeba, apl. Professor an der Universität München 1965 und vom selben Jahr an bis 1967 Direktor des Instituts für Humuswissenschaft der Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Braunschweig. Ab 1967 ord. Professor und Direktor des Instituts für Pflanzenernährung an der TH Hannover. Emeritiert 1987.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Dekan der Fakultät für Gartenbau und Landeskultur 1969/70, Mitglied des Senats 1968/69. Schultz-Lupitz-Medaille der DLG 1978.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    W. schlug nach seinem Abitur 1936 die Offizierslaufbahn in der Wehrmacht ein. Mitglied in der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen war er nicht. Ohnehin hätte eine Mitgliedschaft während der aktiven Militärdienstzeit ruhen müssen. W. machte im Heer eine schnelle Karriere bis zum Generalstabsoffizier im Majorsrang (August 1944 im Alter von 26 Jahren; die Mitgliedschaft im Generalstab ist maßgeblich für seine Einstufung als "substantiell" belastet). Ab Oktober 1943 gehörte er bereits zur Führerreserve des Oberkommandos des Heeres. In seinen Beurteilungen wird mehrmals darauf verwiesen, dass ihn seine Vorgesetzten als "guter Nationalsozialist" und "auf dem Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung" stehend einschätzten. Zusammen mit seinen als äußerst positiv gewerteten militärischen Fähigkeiten führte dies auch zu der Beurteilung, dass W. als "Erzieher des Offiziernachwuchses hervorragend [ge]eignet" wäre. Seine letzte militärische Verwendung hatte W. im Generalstab der 547. Volksgrenadierdivision ab Ende März 1945. Diese Divisionen, die ab Ende 1944 gebildet wurden, unterstanden dem Reichsführer der SS. W. wurde mit folgenden Orden ausgezeichnet: EK II 1940, EK I 1941, Sturmabzeichen 1941, Verwundetenabzeichen in schwarz (ein- oder zweimalige Verwundung) 1941, Ostmedaille 1942, Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse 1943 und Demjansk-Schild 1943.

KEINE BELASTUNG NACHWEISBAR

Bei den Rektoren Hermann Deckert und Gerhart Laage sind nach Maßgabe der hier zu Grunde gelegten Kriterien keinerlei NS-Belastungen festzustellen.

  • Hermann Deckert (*1899, †1955, Amtszeit: 1951/52)
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    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Samtens (Rügen), Studium der Kunstgeschichte in Marburg, Berlin und Leipzig. Promotion und Habilitation in Marburg 1927 und 1928. Lehrtätigkeit in Marburg, ab 1934 wissenschaftlicher Sachbearbeiter bei der Bestandsaufnahme und in der Denkmalpflege in der Provinz Hannover. 1938 Provinzialbaurat und Provinzialkonservator, 1940 Provinzialoberbaurat und 1942 Lehrstuhlvertreter an der Universität Göttingen. 1945 Ernennung zum Niedersächsischen Landeskonservator und gleichzeitig zum Kulturpflegereferenten im Niedersächsischen Kulturministerium. Ab 1949 ord. Professor für Bau- und Kunstgeschichte an der TH Hannover.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Mitglied des Senats 1949 bis 1951 und 1953 bis 1954.

    Situation im Nationalsozialismus:

    In seinem Lebenslauf vom 8. März 1948 gibt D. an, dass er "zum Ende des Wintersemesters 1933/34 ... freiwillig meine Venia Legendi niedergelegt" habe. Er betonte dabei "ausdrücklich, dass ich mich nicht als Opfer des Nationalsozialismus fühle, da neben ... politischen Gründen auch persönliche eine Rolle gespielt haben."

  • Gerhart Laage (*1925, †2012, Amtszeit: 1974/75)
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    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Hamburg, Studium der Architektur an der TH Braunschweig und anschließend freischaffender Architekt. 1963 Ruf auf die ord. Professur für Baukonstruktion und Technischen Ausbau und ab 1970 Inhaber des Lehrstuhls für Theorie der Architekturplanung an der TH/TU Hannover. Emeritiert 1992, Promotion zum Dr.-Ing. 2008.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Mitglied des Senats 1965/66 und 1975 bis 1979. Ab 1977 Berater der Bundesregierung für den Ausbau der Hauptstadt Bonn. 1961 Stipendium der Villa Massimo. Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

OPFER UND EINDEUTIGE GEGNER

Einige Rektoren der Nachkriegszeit hatten auf unterschiedliche Art und Weise unter dem NS-Regime zu leiden, sei es durch Entlassung aus dem Hochschuldienst, KZ-Inhaftierung oder Behinderung des beruflichen Fortkommens. Dabei handelt es sich um: Otto Flachsbart, Walter Hensen, Theodor Kaluza und Alfrich Pflüger.

  • Otto Flachsbart (*1898, †1957, Amtszeit: 1947-1950)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Paderborn, Studium des Bauingenieurwesens an der TH Hannover, 1922 Dipl.-Ing.,anschließend bis 1924 Regierungsbauführer bei der Wasserstraßendirektion Hannover. 1925 bis 1927 Assistent und Abteilungsleiter am Kaiser-Wilhelm-Institut für Strömungsforschung in Göttingen, Promotion 1928 in Hannover. 1931 Habilitation und Privatdozent an der TH Hannover für Hydro- und Aerodynamik. 1932 bis zur "Ruhestandssetzung" 1937 ord. Professor für Mechanik in Hannover. 1938 bis 1945 Leiter der Forschungsabteilung der Gutehoffnungshütte Oberhausen. Rückkehr an die TH Hannover als ord. Professor für Mechanik und Leiter des gleichnamigen Instituts sowie des Festigkeitslaboratoriums. 1950 bis 1952 Staatssekretär im Niedersächsischen Kultusministerium unter Beibehaltung seines Lehrstuhls. Anfang 1957 krankheitshalber in den Ruhestand versetzt.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Rektor der TH Hannover 1947 bis 1950, Dekan der Fakultät für Maschinenwesen 1946/47. 1950 Vorsitzender der Westdeutschen Hochschulrektorenkonferenz (WRK), Ehrensenator der TH Braunschweig, 1953 Karmarsch-Denkmünze der Hannoverschen Hochschulgemeinschaft.

    Situation im Nationalsozialismus:

    Die Versetzung in den Ruhestand 1937 erfolgte auf Grund der nationalsozialistischen rassistischen Gesetzgebung auf Betreiben der Leitung der TH. Nach nazistischer Definition galt Flachsbarts Frau als Jüdin. Flachsbart hätte durch eine Trennung von seiner Frau die Professur behalten können, was er jedoch nicht tat. Er wehrte sich allerdings gegen die Maßnahme mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln.

  • Walter Hensen (*1901, †1973, Amtszeit: 1952-1954)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Kiel, nach Ausbildung und Tätigkeit im Bankgewerbe Studium des Bauingenieurwesens an den TH Berlin-Charlottenburg und Hannover, Dipl.-Ing 1931. Danach bis 1949 Tätigkeit in Wasserbau- und Wasserstraßenämtern in Kiel, Berlin und Hamburg, zwischenzeitlich 1940 Promotion zum Dr.-Ing. in Berlin und von 1943 bis 1945 im Kriegsdienst. Ab 1949 ord. Professor für Grundbau und Wasserbau und Direktor des Franzius-Instituts an der TH Hannover. 1968 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Rektor der TH Hannover 1952 bis 1954 und nochmals für acht Monate 1962/63, Dekan der Fakultät für Bauwesen 1962/63, Mitglied des Senats 1951/52, 1954 bis 1956 und 1963/64. 1967 Ehrenpromotion an der TH Stuttgart. Mitglied in: Senat der DFG, Küstenausschuss, Deutsche Delegation im internationalen Schifffahrtskongress, Deutscher Normenausschuss, Zentralverein für die deutsche Binnenschifffahrt, Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft, Wissenschaftlicher Beirat des VDI.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSDAP 1.5.1937 (5.179.950), NSV ab 1.10.1936.

    Situation im Nationalsozialismus:

    H. bekleidete keine Ämter in nationalsozialistischen Organisationen. Eingetreten ist er erst nach einer sechsmonatigen Gestapo-"Schutzhaft" vom 8. Januar bis zum 4. Juli 1935 im KZ Lichtenburg. Die euphemistisch als "Schutzhaft" bezeichnete KZ-Einkerkerung wurde ohne richterliche Anordnung gegen Regimegegner und missliebige Menschen verhängt. Der Grund für die KZ-Inhaftierung von H. ist nicht mehr feststellbar. Offensichtlich hielt jedoch sein Bruder, der in Cuxhaven Kreisstellenleiter bei der NSDAP war, Kontakt und war möglicherweise für die Entlassung hilfreich.

  • Theodor Kaluza (*1910, †1994, Amtszeit: 1966-1968)
    Portrait Portrait Portrait © Kurt Julius, Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Königsberg, nach Studium der Mathematik 1938 Promotion an der Universität Kiel, ab 1. 11. 1938 Assistent (Mathematik) an der TH Braunschweig. Kriegsdienst und -gefangenschaft 1939-1945, danach wieder Assistent in Braunschweig. Nach Habilitation 1947, Dozententätigkeit an der TH Braunschweig und 1952/53 Vertretung des Lehrstuhl A für Höhere Mathematik an der TH Hannover. 1953 apl. Professor in Braunschweig, ab 1954 ord. Professor für Höhere Mathematik in Hannover. 1968 emeritiert.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Rektor der TH Hannover 1966 bis 1968, Dekan der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften 1956-1957, Mitglied des Senats 1962 bis 1965, Leitung des Außeninstituts 1955-1956. Ab 1957 Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSV 1938- "ca." 1939.

    Situation im Nationalsozialismus:

    Nach eigener Angabe im Catalogus Professorum (Hannover) "1939 Ablehnung des Habilitationsverfahrens aus politischen Gründen". Dass K.s Habilitation abgelehnt worden war, lässt sich dokumentarisch nicht nachweisen. Allerdings sprechen dafür die Angaben, die Horst Tietz in seinem Nachruf auf ihn machte. Abgesehen von der sehr kurzzeitigen Mitgliedschaft in der NSV gehörte er keiner weiteren NS-Organisation an. Es wurden jedoch für die Übernahme seiner Assistentenstelle 1938 an der TH Braunschweig zunächst von der NSDAP "keine Bedenken geltend gemacht" und auch die Dozentenschaft der TH setzte sich für seine Einstellung ein, so dass er in das Beamtenverhältnis auf Widerruf übernommen wurde. Allerdings wurde ihm lt. Horst Tietz die Assistentenstelle 1939 gekündigt.

  • Alfrich Pflüger (*1912, †1989, Amtszeit: 1968/69)
    Portrait Portrait Portrait © Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover, Best. BCP

    Wissenschaftlich-berufliche Lebensdaten:

    Geb. in Hannover, nach dem Abitur Studium des Bauingenieurwesens an der TH Hannover. Nach Diplomabschluss 1935 Tätigkeit am Lehrstuhl für Mechanik (Otto Flachsbart) und dort 1936 Promotion. 1936 bis 1945 Tätigkeit bei der Firma Focke-Wulf-Flugzeugbau. 1941 Habilitation an der TH Hannover für das Fachgebiet Mechanik, ab Sommersemester 1942 Dozentur (nebenamtlich). Von 1945 bis 1951 vertretungsweise Vorlesungen in Baustatik, Mechanik und Festigkeitslehre. Ende 1948 Ernennung zum apl. Professor, ab 1951 ord. Professor für Statik an der TH Hannover. Emeritiert 1980.

    Auswahl von weiteren Funktionen, vornehmlich an der TH/TU Hannover, Ehrungen und Mitgliedschaften nach 1945 (ggf. auch vor 1933):

    Rektor 1968/69, Dekan der Fakultät für Bauwesen 1956/57. Ab 1957 Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft; Mitglied der Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik; 1969-1972 Mitglied des Senats und des Hauptausschusses der DFG; 1974 Ehrendoktorwürde der Ruhr-Universität Bochum.

    NS-Mitgliedschaften (ohne einfache Mitgliedschaften in HJ, DAF, Dt. Studentenschaft, Reichsdozentenschaft und vergleichbaren Organisationen):

    NSKK 1934 bis 07/1935, NSV 1942 bis 1945, NSRL (als Mitglied von Hannover 96) bis 1945.

    Substantielle NS-Belastungen/Verhalten zum Nationalsozialismus:

    P. hatte in der kurzen Zeit seiner Mitgliedschaft im NSKK keine Funktionen inne, er trat im Juli 1935 aus dieser Organisation wieder aus. Wg. des fehlenden "Ariernachweises" seiner Ehefrau und Vorbehalten der NSDAP-Gauleitung verzögerte sich sein Habilitationsverfahren um ca. ein Jahr. Trotz seiner nebenamtlichen Position als Dozent trat er nicht dem NSDDB bei.

ERLÄUTERUNGEN NS-ORGANISATIONEN

  • Abkürzungen von NS-Organisationen

    Abkürzung

    Erläuterung
    DAF Deutsche Arbeitsfront - der NSDAP angeschlossene Einheitsorganisation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

    HJ

    Hitlerjugend - Gliederung der NSDAP für männliche und weibliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren.

    NSAHB

    Nationalsozialistischer Altherrenbund - ab 1938 Nachfolgeeinrichtung der NSSKH für Akademiker an Hochschulen zur Unterstützung des NSDStB, dem sie angehörte.

    NSBDT

    Nationalsozialistischer Bund Deutscher Technik - der NSDAP angeschlossener Verband aller wissenschaftlich-technischen Verbände wie z. B. VDI (Verein Deutscher Ingenieure) oder DChG (Deutsche Chemische Gesellschaft).

    NSBO

    Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation -gewerkschaftsähnliche Organisation, die 1935 in der DAF aufging.

    NSDAP

    Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

    NSDDB

    Nationalsozialistischer Deutscher Dozentenbund - Gliederung der NSDAP.

    NSDStB

    Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund - Gliederung der NSDAP.

    NSFK

    Nationalsozialistisches Fliegerkorps - Gliederung der NSDAP

    NSKK

    Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps - Gliederung der NSDAP.

    NSKOV

    Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung - angeschlossener Verband der NSDAP.

    NSLB

    Nationalsozialistischer Lehrerbund - angeschlossener Verband der NSDAP.

    NSRKB

    Nationalsozialistischer Reichskriegerbund (Kyffhäuser) - angeschlossener Verband der NSDAP, ab 1938 Sammelorganisation aller Soldaten- und Kriegervereine.

    NSSKH

    Nationalsozialistische Studentenkampfhilfe - Vorgängereinrichtung des NSAHB.

    NSV

    Nationalsozialistische Volkswohlfahrt - angeschlossener Verband der NSDAP, Wohlfahrtsorganisation u. a. im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienpflege tätig.

    RKB

    Reichskolonialbund - angeschlossener Verband der NSDAP, bis 1943 bestehende Organisation, die Propaganda für die Wiedergewinnung der ehemals deutschen Kolonien machte.

    RLB

    Reichsluftschutzbund - angeschlossener Verband der NSDAP, Organisation zur Kriegsvorbereitung und Kriegsfolgenbekämpfung sowie auch zur Überwachung der Bevölkerung.

    SA

    Sturmabteilung - Gliederung der NSDAP, Terrororganisation zur Bekämpfung von politischen Gegnern und aus rassistischen Gründen verfolgten Menschen.

    SS

    Schutzstaffel - Gliederung der NSDAP, unterteilt in Allgemeine SS und Waffen-SS (Kampfverbände und u. a. Wachpersonal in KZs). Betrieb von KZs und Vernichtungslagern. 1945 zur "verbrecherischen Organisation" erklärt.

    TN

    Technische Nothilfe - nach dem Ersten Weltkrieg als eine Art technisches Freikorps gegründete Organisation, die ab 1934 dem Reichsführer SS unterstand.

    VDA

    Volksbund für das Deutschtum im Ausland.

TAFEL ZUR REKTORENGALERIE IM WELFENSCHLOSS

  • Text der "Rektorentafel"

    Diese Galerie repräsentiert in den Personen der Rektoren und Präsidenten die Geschichte der Leibniz Universität Hannover von ihrer Gründung als Höhere Gewerbeschule 1831 über die Fortentwicklung zur Polytechnischen Schule 1847, Technischen Hochschule 1879 und Technischen Universität 1968 bis hin zur heutigen Universität 1978. Die Leibniz Universität blickt mit Stolz auf die Leistungen vieler ihrer Rektoren und Präsidenten, wie auch vieler ihrer anderen Angehörigen und Mitglieder zurück. Zugleich bedauert sie die Fehlentwicklung, welche die Technische Hochschule Hannover in der Zeit der NS-Diktatur (1933-1945) genommen hat. Die gedanklichen Ursprünge unrechtmäßigen Handelns reichen oft weiter zurück und haben deutliche Spuren noch nach 1945 hinterlassen.

    Die Rektoren Ludwig Klein, Otto Franzius, Horst von Sanden, Hanns Simons, Alexander Matting und Helmut Pfannmüller tragen Mitverantwortung für rassistisch und politisch motiviertes Unrecht an dieser Hochschule und die Unterstützung des nationalsozialistischen Regimes bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Ihre damaligen Handlungen und Verhaltensweisen entsprachen weder den allgemein verbindlichen wissenschaftlichen Standards noch denen einer zivilisierten Gesellschaft. Die Leibniz Universität Hannover bittet alle von den damaligen Unrechtsmaßnahmen Betroffenen und deren Nachfahren um Entschuldigung.

    Auch nach dem 8. Mai 1945 amtierten Rektoren, die durch Mitgliedschaften und Funktionärstätigkeiten in NS-Organisationen, propagandistische Aktivitäten oder die Übernahme von höherrangigen Positionen im NS-Staats-, Wissenschafts- oder Militärapparat zum reibungslosen Funktionieren des Unrechtsregimes auf unterschiedliche Art und Weise beigetragen hatten. Von keinem von ihnen ist bekannt, dass er später Verantwortung für seine Tätigkeiten in der Zeit des Nationalsozialismus übernommen hätte, noch gab es seinerzeit an der Hochschule eine kritische Auseinandersetzung über deren Vergangenheit. Es handelt sich hierbei um die Rektoren (in zeitlicher Abfolge): Conrad Müller, Walter Großmann, Hans Schönfeldt, Johannes Schlums, Walter Theilacker, Wilhelm Nicolaisen, Egon Martyrer, Wilhelm Wortmann, Hans Oskar Wilde, Albert Vierling, Walter Renard, Eduard Pestel, Hermann Böhrs und Jürgen Wehrmann. Zwei der Rektoren heben sich etwas von dieser Gruppe ab: Conrad Müller durch nicht NS-konformes Verhalten gegenüber einigen jüdischen Kollegen und Eduard Pestel durch seinen späteren Einsatz für intensive Wissenschaftsbeziehungen zu Israel.

KURZBIOGRAPHIEN ALS PDF-DOWNLOAD

Kurzbiographien von NS-belasteten Rektoren der TH/TU Hannover mit Amtszeiten zwischen 1933 und 1971
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Kurzbiographien von Rektoren der TH/TU Hannover, für die keine Belastung nachweisbar ist sowie Opfer und eindeutige Gegner
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