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Die Geschichte der niedersächsischen Erdölförderung im Dritten Reich

Die Geschichte der niedersächsischen Erdölförderung im Dritten Reich

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Ein Fokus des Projektes liegt auf dem Standort Wietze. Das Bild zeigt das dortige Bergfest im Jahr 1936. © Foto: Deutsches Erdölmuseum Wietze

Projektstart: Ein Team der Leibniz Universität Hannover untersucht politische, soziale und wirtschaftliche Bedingungen und Auswirkungen der Erdölförderung in den 1930er- bis 1950er-Jahren

Niedersachsen war in den mittleren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die wichtigste deutsche Erdölförderregion. Wirtschaftspolitische Maßnahmen haben in den 1930er-Jahren die Rohstoffbranche begünstigt. Unter dem Titel "Öl aus Niedersachsen - ein Rohstoff für die nationalsozialistische Aufrüstungspolitik und Kriegführung" erforscht ein Team des Instituts für Didaktik der Demokratie (IDD) der Leibniz Universität Hannover die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen und Auswirkungen der Erdölförderung in Niedersachsen in den Jahren 1933 bis 1945 sowie in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ein Fokus liegt dabei auf dem Standort Wietze. Die Leitung des Deutschen Erdölmuseums Wietze hat das Projekt initiiert; gefördert wird es vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen des Programms PRO*Niedersachsen für drei Jahre mit rund 250.000 Euro.

Militärische Ziele, unternehmerisches Kalkül, Zwangsarbeit

Das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann besteht aus vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des IDD. Dr. Christian Hellwig, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IDD, betont, dass dieser multiperspektivische Ansatz von zentraler Bedeutung sei: Das Projektteam untersucht die rüstungswirtschaftlichen und militärischen Zielsetzungen, das unternehmerische Kalkül im Dritten Reich sowie die Transformationsprozesse der Branche in der jungen Bundesrepublik. Weitere Schwerpunkte bilden die Arbeitsbedingungen in der niedersächsischen Erdölindustrie während der Aufrüstung sowie die Veränderungen der Betriebskultur in den betreffenden Unternehmen, der Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern im Zweiten Weltkrieg und der Umgang mit diesem Gesellschaftsverbrechen in der Nachkriegszeit. Daran anknüpfend fragt das Team, welche inhaltlichen und personellen Kontinuitäten sich nach 1945 feststellen lassen.

Forschungslücke wird geschlossen

Umfassend untersucht werden auch spezielle Aspekte wie die Arbeitsbedingungen im Ölschacht in Wietze. Dazu steuert das Museum Unterlagen aus seinem Archiv bei. Es sei sehr erfreulich, dass die systematische wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Zeitabschnitts, in der für die Entwicklung der Erdölindustrie entscheidende Weichenstellungen vorgenommen wurden, durch die Landesförderung nun endlich in Angriff genommen werden könne, so Museumsleiter Dr. Stephan A. Lütgert.

Die Projektergebnisse sollen in einem Sammelband zur Rolle der niedersächsischen Erdölförderung in der nationalsozialistischen Rüstungs- und Kriegswirtschaft sowie in der frühen Bundesrepublik publiziert werden. "Die Rohstoffbranche bestimmte nachhaltig die regionale, soziale und ökonomische Entwicklung Nordwestdeutschlands im 20. Jahrhundert", sagt Projektleiter Schmiechen-Ackermann und betont: "Durch unser Projekt wird eine wesentliche Forschungslücke der deutschen Wirtschaftsgeschichte und der niedersächsischen Zeitgeschichte geschlossen."

Hinweis an die Redaktion

Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. Christian Hellwig, Institut für Didaktik der Demokratie, unter Telefon 0511 762-17447 oder per E-Mail unter hellwig@idd.uni-hannover.de gern zur Verfügung. Das Deutsche Erdölmuseum Wietze erreichen Sie unter Telefon 05146 923 40 oder per E-Mail unter info@erdoelmuseum.de.