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Digitales Informationssystem gibt Auskunft über Starkregengefährdung

Digitales Informationssystem gibt Auskunft über Starkregengefährdung

Hinweiskarte zur Identifizierung besonders gefährdeter Kommunen in Hessen entwickelt

Der Klimawandel sorgt für das vermehrte Auftreten von Starkregen in Mitteleuropa und damit auch in Deutschland. Starkregen führt sehr schnell zu überfluteten Straßen und zu einer Überlastung der Kanalisation. Keller und Tiefgaragen laufen voll, Schlamm bahnt sich den Weg von Ackerflächen in die Siedlungsbereiche. Dies führt zu erheblichen Schäden an Privateigentum und öffentlicher Infrastruktur und im schlimmsten Fall zur Gefährdung von Menschenleben. Das Bundesland Hessen ist davon in erhöhtem Maße betroffen.

Daher hat das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie im Auftrag des Hessischen Umweltministeriums das Projekt „KLIMPRAX Starkregen und Katastrophenschutz in Kommunen“ initiiert, an dem sich die Leibniz Universität Hannover (LUH, Institut für Physische Geographie und Landschaftsökologie, Leitung Prof. Dr. Benjamin Burkhard, Projektleitung Prof. Dr. Gerald Kuhn) gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich (IBG-3: Agrosphäre, Dr. Björn Tetzlaff) seit 2016 beteiligt hat. Die durch M.Sc. Jennifer Kreklow innerhalb ihrer Promotion an der LUH bearbeiteten Aufgaben bestanden in der Entwicklung von Methoden zur Erstellung der bundesweit ersten Starkregen-Hinweiskarte zur Identifizierung besonders gefährdeter Kommunen.

An der LUH wurden die fünfminütigen Radarmessungen des Niederschlags des Deutschen Wetterdienstes im Zeitraum 2001 bis 2016 ausgewertet, um Orte zu ermitteln, an denen Starkniederschläge gehäuft aufgetreten sind. Diese Daten wurden vom Forschungszentrum Jülich genutzt, um in einer hoch aufgelösten 2D-hydrodynamischen Modellierung festzustellen, welche Überflutungen sich nach Starkregen unterschiedlicher Intensität einstellen und ob verstärkt mit Schlammlawinen oder dem Austritt von Gefahrstoffen aus Industriebetrieben gerechnet werden muss.

Um diese Informationen für die Stadt- und Regionalplanung, kommunalen Entscheidungsträgern und der interessierten Öffentlichkeit verständlich zu machen, hat das FZJ einen Starkregenhinweis-Index und einen Vulnerabilitäts-Index entwickelt, der die problematischen Regionen in Kartenform für das gesamte Bundesland Hessen visualisiert. In die Berechnung der Indizes gehen Daten zum Auftreten von Starkregen, zur Topographie und Versiegelung, zur Industriestruktur, zur Bodenerosion sowie die FZJ-Modellergebnisse zur Überflutungshöhe ein.

Zusammen mit den Niederschlagsauswertungen der LUH bilden die Ergebnisse des Forschungszentrums ein digitales Informationssystem, das unter https://www.hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/projekte/klimprax-projekte/starkregen-hinweiskarte von allen Interessierten eingesehen werden kann.