Erfahrungsbericht zur EULiST-Mobilität an der Partnerhochschule LUT in Lahti, Finnland

LUT Blossom Event 2026 in Lahti, Finnland

Dr. Martina Venschott (Leiterin des Sachgebiets 43 – UniTransfer) nahm im Rahmen der Hochschulallianz EULiST an der jährlichen Netzwerkveranstaltung „LUT Blossom" teil, die von der LUT Universität in Lahti/Lappenranta, Finnland, organisiert wurde. Anbei finden Sie ihren Erfahrungsbericht sowie die Erkenntnisse, die sie aus der Veranstaltung mitgenommen hat.

Über EULiST (European Universities Linking Society and Technology) hatte unsere Partner-Universität LUT zur Teilnahme an ihrer Transferveranstaltung
„LUT Blossom“ eingeladen. 
Ziel der Veranstaltung war die Zusammenführung von Akteuren
aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie die Initiierung von gemeinsamen Kooperationen.

Dazu wurden praktische Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und
der LUT-Universität angekündigt sowie Key-Notes, thematische Panels und fachbezogene
Sessions. Die Thematiken und das Programm von „Blossoms“ passten damit perfekt zu den
Zielsetzungen und Aktivitäten des WP 5.1 unter EULiST.

Aus der Ankündigung:
“In April, LUT Blossom brings new perspectives on collaboration between companies and
universities through conversation and concrete examples delivered by the companies themselves.
The day is designed for organisations of every size to find inspiration and build new
partnerships.”

Von der Teilnahme versprach ich mir neue Impulse für meine eigene Transferarbeit an der
LUH. Denn dies ist die Erfahrung, die ich auch durch die frühere Beteiligung von uni transfer
an diversen EU-geförderten Projekten gemacht habe: Es gab immer etwas Interessantes
oder auch für mich Neues, was ich von den ausländischen Partnereinrichtungen lernen
konnte; z.B. neue oder andere Ansätze für die Transferarbeit oder wie mit spezifischen Problemen
umgegangen wird.

Die Reise nach Lahti bot auch die Gelegenheit, die LUT-Kollegin Anne Vuorema persönlich
kennenzulernen, die die Task-Leaderin des WP 5.1 ist. Es wurde ein Treffen für den
09.04.2026 verabredet. Leider musste Anne dies kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen,
sie sorgte aber dafür, dass sich stattdessen zwei ihrer Team-Kollegen mit mir trafen.


09.04.2026: Treffen mit Teammitgliedern von Anne Vuorema

Die beiden Kollegen arbeiten im Team von Anne Vuorema im Bereich EU-Koordination, wohnen
allerdings – wie auch Anne - in weiterer Entfernung von Lahti. Das gesamte Team arbeitet
die meiste Zeit im Homeoffice und trifft sich einmal im Monat vor Ort auf dem LUTCampus
in Lahti. In einem Rundgang über den Campus gaben sie mir einen Einblick in die
Universität.

Am Standort Lahti (ein weiterer Standort ist in Lappeenranta) bestehen Schwerpunkte vor
allem in der Gesundheits- und Kreislaufwirtschaft sowie Industrie-Design. In die Universität
integriert sind auch die Labore der University of Applied Sciences („LAB University of Applied
Sciences“); u.a. die Materialwissenschaften. Des Weiteren ist auf dem Gelände das Unternehmen
Kempower angesiedelt. Kempower stellt (Schnell-) Ladeinfrastrukturen für PKW und
LKW her und ist einer der führenden Hersteller in diesem Segment in den nordischen Ländern.
Der Name „ISKU-Campus“ für den Standort in Lahti rührt von einer großen Möbelfabrik her,
die früher auf dem Gelände ansässig war.

An den beiden Standorten Lahti und Lappeenranta gibt es zusammen ca. 9000 Studierende
und mehr als 1700 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Vertreten sind ca.100 Nationalitäten.
Der ISKU-Campus ist innen sehr modern und völlig anders strukturiert als man es üblicherweise
von unseren Uni-Gebäuden her kennt. So gibt es kaum Einzelbüros für die Wissenschaftler
und Wissenschaftlerinnen, sondern Großraumbüros mit durch Schallwände abgeteilten
Arbeitsplätzen. Die Schreibtischplätze werden jeweils nach Bedarf gebucht. Da sehr
viele Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten, gibt es feste Plätze nur für diejenigen, die regelmäßig
bzw. ständig vor Ort sind.

Auffällig ist aber auch, dass es sehr viele Plätze und Möglichkeiten zum Austausch untereinander
gibt. Überall sind kleine Sitzgruppen verteilt, an denen sich Studierende und WissenschaftlerInnen
treffen können; im Gebäude verteilt gibt es mehrere kleinere Cafetería-Bereiche.
Ein großer zentraler Treffpunkt ist aber die Mensa / Cafetería im Erdgeschoss, in die
das Foyer in der Eingangshalle nahtlos übergeht. Die Mensa ist auch außerhalb der Essenszeiten
zugänglich und dient als Kommunikationsraum und Treffpunkt.

Auf dem Campus gibt es mit dem Startup Hub ein Startup-Center, das an der LAB University
of Applied Sciences angesiedelt ist. Neben den üblichen Unterstützungsleistungen für Gründungswillige
und Startups gibt es einen Inkubator und einen Akzelerator sowie ein Mentoringangebot.
Anne und ihr Kollege Martti von Wright sind im Rahmen der Repräsentanz der LUT in Brüssel
und zu deren Public-Relations-Aktivitäten tätig und dementsprechend häufig im dortigen
Verbindungsbüro. Es gibt Überlegungen, mit permanentem Personal vor Ort zu sein. Im Detail
ergeben sich dabei aber einige Problematiken, so z.B. hinsichtlich der Besteuerung der
Mitarbeitenden vor Ort. In Belgien wären die persönlichen Steuern der Mitarbeitenden doppelt
so hoch wie in Finnland.


10.04.2026: Veranstaltung „Blossom“

Die Veranstaltung „Blossom“ wurde zum ersten Mal von der LUT durchgeführt. Sie zog sich
über den gesamten Campus, der damit flächendeckend zu einem Ort des Austausches und
Treffens wurde. Ca. 1200 Personen aus mehr als 400 Einrichtungen haben teilgenommen
(Entscheider, Entwickler, WissenschaftlerInnen, UnternehmensvertreterInnen und weitere
Personen, u.a. aus dem kommunalen Bereich).

Begleitend zu den Panels, Sessions und Vorträgen gab es den ganzen Tag über Ausstellungen:

  • Darstellung der verschiedenen Möglichkeiten, mit der LUT zu kooperieren
  • Exponate von Spinoffs und zu Innovationen aus der LUT
  • Showcases des Prototypen-Labors
  • Vorstellung des Electric Mobility Research Centers (gemeinsames Zentrum von LUT
    und Kempower zu Forschung im Bereich elektrische Transportsysteme und deren
    breiten Anwendungsmöglichkeiten). Kempower hat seine Entwicklungsbüros und sein
    Trainings- und Service-Center auf dem LUT-Campus.
  • Vorstellung einer gemeinsamen Forschungsplattform mit einem Großunternehmen
    der Bauindustrie im Bereich Asphalt-Forschung.

Außerdem bot ein Pop-up-Shop Merchandising-Artikel der LUT an.
Im zentralen Bereich des Uni-Gebäudes befindet sich auch das EULiST-Büro, das damit direkt
in das Veranstaltungsgeschehen integriert war.
Während die Veranstaltungen im Plenum auf Englisch abgehalten wurden, fanden die Sessions
der Fachmodule teilweise auf Finnisch und teilweise auf Englisch statt.
Gemäß dem Motto der LUT bzw. Finnland „Land Of The Curious” wurde im Rahmen der Veranstaltung
zum ersten Mal der Preis „Curious Alumni Award 2026“ an einen Absolventen für
seine innovativen Ideen verliehen.
 

Zusammenfassung von Aussagen der Panels im Plenum:

Teilnehmer der Panels waren u.a. der Rektor der LUT, ein Vertreter der Universität
Jyväskylä, der Präsident des Finish Innovation Fund, der Bürgermeister von Lahti und IndustrievertreterInnen
 

  • Wachstum basiert auf steigender Produktivität, aber z. Zt. fehlen dafür die Ressourcen.
  • 50 – 70 % der Produktivitätssteigerung basieren auf dem Menschen, nicht auf Maschinen,
    Fabriken, …
  • Vorschlag: Längerfristige Kooperationsmodelle fördern anstelle von kleinen Einzelprojekten.
  • Zu viele Projekte sind lokal bezogen; es ist mehr überregionale Zusammenarbeit nötig.
  • Es sollten nicht nur Innovationen gefördert werden, die auf den Export ausgerichtet
    sind, sondern auch mehr Forschung für den nationalen Markt.
  • Forschung, Entwicklung und Innovation müssen stärker miteinander verzahnt werden.
  • Fördermaßnahmen für Universitäten sollten stärker auch Industrie-Kooperationen berücksichtigen.
  • Problem Finnland: Die nationale Hochschulausbildung bringt nicht genug Absolventen
    hervor.
  • Clusterbildung und Startups sind sehr wichtig.
  • Es werden Unternehmen der nächsten Generation und neue Ideen benötigt.
  • Was kann den Transfer von Forschung in Innovation fördern?
    - Startups sind wichtig; große Unternehmen sollten ihnen helfen, nicht unbedingt
    mit Geld, aber mit Know-how.
  • Prognose: Wegen des Klimawandels wird die Lebensmittelproduktion in den nördlichen
    Ländern an Wichtigkeit gewinnen. Bisher wird die Lebensmittelproduktion in
    Finnland nicht als exportträchtig angesehen.
  • Das gegenwärtige System basiert auf öffentlicher Förderung. Welche Anreize kann
    es für Unternehmen geben, zu investieren? Welche Rolle spielen hierbei Regularien?
    Zitat: „Finland is a superpower of regulations.“
  • Förderbedingungen sind zu kompliziert, selbst für große Unternehmen.

Fazit:

Viele der angesprochenen Probleme sind genauso oder ähnlich auch in Deutschland vorhanden.
Neben den Veranstaltungen im Plenum habe ich am Fachmodul „Planetary Ressources“
Teilgenommen. Dort ging es in zwei Kooperationsbeispielen mit Unternehmen um Lösungen
für die Kreislaufwirtschaft.

- Ein weltweit vertretenes Unternehmen der Verpackungsindustrie (Stora Enso) kooperiert
mit der LUT zu recyclingfähigen Verpackungen, Biomaterialien und holzbasierten
Produkten (Stichwort: „Decarbonisierung im Bausektor). Zweck der Kooperation ist
die kontinuierliche Beschäftigung damit, welche Lösungen in Zukunft gebraucht werden
könnten und daraus abgeleitet die Entwicklung einer wissenschaftlichen Vision
und der Aufbau von Expertise zur Umsetzung. Dazu werden neben nationalen Förderprogrammen
auch EFRE und Horizon Europe genutzt.

- NG Nordic ist im Bereich Abfallwirtschaft tätig, insbesondere zum nachhaltigen Recycling
von technologisch herausfordernden Abfällen. Es entwickelt kreislauffähige
Materialien und bietet Umweltdienstleistungen an. Dies Unternehmen kooperiert mit
dem Department of Sustainable Science der LUT.
Mit dem entstehenden Geistigen Eigentum wird ähnlich verfahren wie an der LUH. Die jeweiligen
Rechte liegen beim Partner, bei dem eine Entwicklung entstanden ist. Häufig werden
die Rechte auf den Kooperationspartner übertragen.

Link zur Nachberichterstattung und Film:
https://www.lut.fi/en/lutblossom2026


Die Veranstaltung „Blossom“ soll auch in Zukunft im Abstand von einigen Jahren fortgesetzt
werden.