Unter der Linde

Bild Bild Bild

Über dem „Wissenstisch“ im Leibniz Science Cube breitet sich die Krone einer Linde aus.
Linden sind seit jeher Plätze des Miteinanders als Gerichtsbaum und Dorflinde zudem ein Symbol für Wahrheit und Ideenfindung, ein Ort des Nachdenkens und der Inspiration. Das „Denken unter Bäumen“ steht in langer Tradition. 

Im 4. Jahrhundert v. Chr. gründete Platon im Hain der Akademie (Academia) bei Athen seine Philosophenschule – ein Ort, an dem das Denken bewusst mit der Natur verbunden war. Die frühen Philosophen suchten im Schatten von Bäumen und im Gespräch nach Erkenntnis, fern von starren Institutionen. 

Bild Bild Bild
Bild Bild Bild

„Leibniz wählt zwischen der alten und neuen Philosophie“, Bild und Textauszug aus dem Buch von Johann Georg Eckhart Lebensbeschreibung des Freiherrn von Leibnitz, Ex Autorapho. Nürnberg 1779.

Auch Gottfried Wilhelm Leibniz stellte sich bewusst in diese Tradition der antiken Philosophiegeschichte. So ließ er sich unter Baumkronen im Rosental bei Leipzig zu seiner bedeutenden neuen Philosophie und Mathematik inspirieren. Der inspirierende Baum wird dabei zum Ort der tiefen Einsicht: ein Denkraum der Freiheit, in dem neue Ideen entstehen können. An diese jahrtausendealte philosophische Praxis knüpfen wir in der Ausstellung mit einem Lindenbaum an.

Unter unserer Linde in der Ausstellung im Sockelgeschoss des Welfenschlosses finden Sie Forschungsprojekte der LUH mit innovativen Ideen, die unmittelbar gesellschaftlich wirken, Lösungen anbieten und den Menschen dienen - ganz so, wie es bereits Leibniz, der Namensgeber unserer Universität, mit seiner Wissenschaft angestrebt hat. Schauen Sie sich unter der Linde um!

Leibniz' Brief an Nicolas Francois

Leibniz schreibt dazu 1714 in einem Brief an den französischen Mathematiker Nicolas François:

„Etant emancipé des Ecoles Triviales, je tombay sur les modernes, et je me souviens que je me promenay seul dans un boscage aupres de Leipzig, appellé le Rosendal, à l’âge de 15 ans, pour delibérer si je garderois les Formes Substantielles. Enfin le Mechanisme prevalut et me porta à m’appliquer aux Mathematiques.“

„Nachdem ich die Elementarschule hinter mir gelassen hatte, stieß ich auf die modernen Wissenschaften (Philosophie), und ich erinnere mich, dass ich im Alter von 15 Jahren allein in einem Wäldchen bei Leipzig, dem sogenannten Rosental, spazieren ging, um zu überlegen, ob ich mich den substanziellen Formen widmen sollte. Schließlich setzte sich der Mechanismus durch und veranlasste mich, mich der Mathematik zuzuwenden.“ 

Bild Bild Bild
Leibniz‘ Brief an den französischen Mathematiker Nicolas François, 1714. Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, GWLB LBr. 768, Bl. 4r.
Bild Bild Bild
Detailansicht „Etant emancipé…“ aus Leibniz‘ Brief an den französischen Mathematiker Nicolas François, 1714. Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, GWLB LBr. 768, Bl. 4r (Ausschnitt).