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Nachfrage treibt Wohnimmobilienpreise nach oben

Nachfrage treibt Wohnimmobilienpreise nach oben

Presseinformation vom
© LUH

Wirtschaftswissenschaftler der Leibniz Universität Hannover veröffentlichen Studie zu regionalen Unterschieden auf dem deutschen Wohnungsmarkt

Wer in Hamburg eine Wohnung mietet, zahlt laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt 9,1 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter - in Sachsen-Anhalt sind es 5,3 Euro. Der starke Anstieg der Wohnimmobilienpreise in Deutschland während der vergangenen Dekade und auch die regionalen Unterschiede werden getrieben von der Nachfrage, so die Ergebnisse der Studie "Explaining Regional Disparities in Housing Prices across German Districts", die Prof. Dr. Stephan L. Thomsen und Johannes Trunzer vom Institut für Wirtschaftspolitik der Leibniz Universität Hannover (LUH) gemeinsam erstellt haben mit Lars Brausewetter vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Sie ist beim IWH und beim IZA Institute of Labor Economics Bonn als Diskussionspapier veröffentlicht.

"In den vergangenen zehn Jahren sind die deutschen Immobilienpreise beispiellos gestiegen", sagt Thomsen, der das Institut für Wirtschaftspolitik an der LUH leitet. Er und seine beiden Kollegen haben anhand von Wohnungspreisdaten auf Kreisebene große und zunehmende regionale Unterschiede dokumentiert. Die Untersuchung bezieht sich auf Daten aus den Jahren 2008 bis 2019. Ergebnis: Besonders stark gestiegen sind die Immobilienpreise zum einen in den größten sieben Städten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf. Deutliche Preisanstiege gab es zudem in süddeutschen Regionen und in Regionen mit höheren Anfangspreisniveaus.

Hohes Bildungsniveau gleich hohe Immobilienpreise

Die Preise sind offenbar von der Nachfrageseite getrieben: "Zunehmende Bevölkerungsdichte, höhere Anteile akademisch gebildeter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie steigende Kaufkraft erklären unsere Ergebnisse", fasst Thomsen die Studienergebnisse zusammen. Haushalte mit höherem Bildungsniveau verdienen mehr und haben eine bessere Kreditwürdigkeit - somit können sie auch höhere Mieten oder Hypotheken finanzieren. Die Zahlungsbereitschaft wirkt sich dann wiederum auf die Preise aus. Wenn mehr neue Wohnungen gebaut werden, hat das kurzfristig hingegen keinen Effekt. "Das deckt sich mit der bisherigen Literatur zum Thema. Unsere Analyse zeigt jedoch, dass eine Ausweitung des Wohnungsangebots über den gesamten Beobachtungszeitraum durchaus mit geringeren Preisanstiegen einhergeht, was auf eine mittel- und langfristige Rolle von Angebotsengpässen hindeutet", sagt Thomsen.

Für ihre empirische Analyse haben die Wirtschaftswissenschaftler Wohnungspreisdaten mit sozioökonomischen Daten aus verschiedenen Quellen auf Kreisebene kombiniert. Hierfür nutzten sie qualitätsbereinigte Mietpreise sowie Kaufpreise für Häuser und Wohnungen aus dem RWI-GEO-REDX Datensatz des FDZ Ruhr am IWH. Der untersuchte Zeitraum umfasst Perioden mit moderatem (2008 bis 2013) und starkem Preiswachstum (2014 bis 2019).

Publikation

Lars Brausewetter, Stephan L. Thomsen, Johannes Trunzer: Explaining Regional Disparities in Housing Prices Across German Districts

In:

IZA Discussion Paper No. 15199:

https://www.iza.org/publications/dp/15199/explaining-regional-disparities-in-housing-prices-across-german-districts

IWH Discussion Papers, No. 13, 2022:  

https://www.iwh-halle.de/en/publications

 

Hinweis an die Redaktion

Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Dr. Stephan Thomsen, Institut für Wirtschaftspolitik der Leibniz Universität Hannover, unter Telefon 0511 762-14596 oder per E-Mail unter thomsen@wipol.uni-hannover.de gern zur Verfügung.