Gottfried in a Nutshell #1

Am 1. Juli vor 374 Jahren wurde Gottfried Wilhelm Leibniz geboren.
Gefeiert hat er seinen Geburtstag allerdings an einem anderen Tag ...

Abends am 21. Juni 1646 wurde Gottfried Wilhelm im Gebäude des großen Fürstenkollegs (in der Ritterstraße) in Leipzig geboren. In der Familienchronik finden wir den Eintrag des Vaters Friedrich Leibniz: "21. Junii am Sontag 1646. Ist mein Sohn Gottfried Wilhelm, post sextam vespertiam ¼ uff 7 uhr abents zur welt gebohren, im Wassermann." Zwei Tage später wurde der Säugling in der Nikolaikirche getauft.

Heute feiern wir Leibniz' Geburtstag am 1. Juli. Warum ist das so?

Zeiteinteilung ist Sache der Astronomen. Von jeher versuchen die Menschen, mit einem Kalender und der Einteilung des Jahres in Monate, Wochen und Tage den Zyklus der Natur abzubilden. Ein Jahr ist definiert als die Zeit, die die Erde für eine Umrundung der Sonne braucht. Ein Umlauf dauert genau 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45,252 Sekunden, also etwa ¼ Tag länger als unser Kalenderjahr. 45 v.Chr. hatte Julius Cäsar deshalb erstmals eine periodische Schaltjahresregel festgelegt. Weil diese aber noch nicht exakt genug war, entfernte sich das Tagesdatum "21. März" (Frühlingsanfang) immer weiter vom astronomischen Ereignis des Primar-Äquinoktiums (Frühlings-Tag-Nacht-Gleiche der nördlichen Erdhalbkugel). Im 16. Jh. hatten sich die Fehler des julianischen Kalenders auf 10 Tage aufaddiert.

Dies wurde insbesondere bei der Festlegung der 'beweglichen, kirchlichen Feiertage zum Problem: Vor allem das Osterfest wird nach astronomischen Ereignissen berechnet (Ostersonntag = erster Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang). Papst Gregor XIII. löste das Problem, indem er im Jahr 1582 auf Donnerstag, den 4. Oktober, sofort Freitag, den 15. Oktober, folgen ließ. Seinen gregorianischen Kalender setzte er bald im katholischen Spanien, Portugal und dem größten Teil Italiens durch, die protestantischen Territorien akzeptierten ihn aber nicht. Im protestantischen Hannover beteiligte sich Leibniz später an einer dringend anstehenden Reform und sprach sich für eine interkonfessionelle Lösung aus. Nebenbei erkannte er den großen Absatzmarkt für gedruckte Kalender, die in der Bevölkerung sehr beliebt waren und neben den Kalenderdaten auch populäre astrologische Tipps, wie den perfekten Tag zum Schneiden der Haare, Abstillen von Säuglingen oder dem Aderlass, enthielten. Mit dem Bau einer Sternwarte in Berlin (1700) und einem "Kalenderpatent" (monopolartiges Privileg) ließ sich auch sein Plan von der Gründung einer Sozietät der Wissenschaften (spätere Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) finanzieren, die Geistes- und Naturwissenschaft verbinden sollte. Auf dem Reichstag in Regensburg einigten sich schließlich 1699 - nicht zuletzt auch auf Leibniz' Initiative hin - die protestantischen deutschen Territorien und führten den neuen Kalender ein, der nur unwesentlich vom katholischen Kalender abwich.
Von da an änderte sich das Datum von Leibniz' Geburtstag um 10 Tage.

'Happy Birthday' Gottfried Wilhelm Leibniz!

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Dr. des. Ariane Walsdorf
Referat für Kommunikation und Marketing
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