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Das Leben nach dem Atomunfall

Das Leben nach dem Atomunfall

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Studierende der Leibniz Universität zwei Wochen zu Gast in Fukushima

Welche Assoziationen verknüpfen Sie mit Fukushima? Während die meisten Menschen an „Strahlung“, Sperrzone“ und „Verseuchung“ denken, wenn sie „Fukushima“ hören, sieht die Lebens-realität der Menschen vor Ort ganz anders aus. Ein Teil der evakuierten Bewohnerinnen und Bewohner ist in ihre Heimatorte in der Präfektur Fukushima zurückgekehrt und versucht, zu einem weitgehend normalen Leben zurückzukehren – auch wenn auseinandergerissene Familien und eine hohe Arbeitslosigkeit den Alltag prägen. Zwei Studierende der Leibniz Universität, Annika Wunnenberg und Peter Brozynski vom Institut für Radioökologie und Strahlenschutz, sind am vergangenen Sonnabend von ihrem zweiwöchigen Besuch in Fukushima zurückgekehrt. Zusammen mit weiteren Studierenden aus Deutschland, den USA und Japan waren sie ausgewählt worden, im Rahmen des Fukushima Ambassador Programs zwei Wochen lang das Leben in Fukushima kennenzulernen und wahrzunehmen, welcher Anstrengungen es für die Region bedarf und was unternommen wird, um wieder auf die Beine zu kommen.

Seit dem sogenannten Tripel-Desaster vom März 2011, bei dem Teile der Präfektur Fukushima durch Erdbeben, Tsunami und Atomunfall zerstört wurden, erholt sich die Region nur langsam. Rund 20.000 Menschen haben an der Ostküste Japans – ein Teil davon in der Präfektur Fukushima – durch den Tsunami ihr Leben verloren. Mehr als 100.000 Menschen haben aufgrund der Evakuierungen nach dem Atomunfall ihr Zuhause verloren und leben bis heute unter belastenden Bedingungen in „temporary housings“. Die Landwirtschaft liegt danieder, weil niemand – auch nicht in Japan – Lebensmittel kaufen möchte, die „Made in Fukushima“ sind, obwohl die strengen Grenzwerte eingehalten werden. Hinzu kommen steigende Arbeitslosigkeit, wachsende Kriminalität und auseinandergerissene Familien. Das Fukushima Ambassador Program ist eine Initiative der Fukushima University, die angesichts dieser Probleme zur Wiederbelebung der Region beitragen möchte.

„Am 11. März ist der fünfte Jahrestag des Atomunfalls in Fukushima. Seitdem forschen wir zur Radioaktivität in dieser Region, aber auch in anderen Teilen der Welt. Mir ist es wichtig, dass unsere Studierenden sich nicht nur mit Zahlen und Diagrammen beschäftigen, sondern auch die reale Situation vor Ort erleben können“, sagt Prof. Dr. Georg Steinhauser, der seit Oktober 2015 an der Leibniz Universität im Institut für Radioökologie und Strahlenschutz arbeitet. Sein Fachgebiet – zu dem er auch schon an der Colorado State University in den USA geforscht hat – ist seit dem Reaktorunglück von Fukushima in Japan die Umweltchemie radioaktiver Stoffe. „Durch ihren Aufenthalt in Fukushima erhalten die Studierenden auch ein Bild von der Relevanz ihrer Arbeit“, ergänzt Steinhauser. „Denn die Daten, die sie in Hannover erzeugen, bekommen durch diese Erfahrung ein Gesicht, wenn man die menschlichen Schicksale dahinter kennenlernt.“

Die eingeladenen Studentinnen und Studenten des Fukushima Ambassador Programs hatten ein dichtes Programm. So haben sie gemeinsam mit japanischen „Buddies“ die Menschen in ihren Temporary Housings besucht, beim Wiederaufbau mitgeholfen und das Leben und die japanische Kultur hautnah erlebt. „Unsere Studierenden durften sogar bei japanischen Familien übernachten“, berichtet Steinhauser. Was für europäische Ohren relativ normal klinge, sei in Japan aber völlig unüblich. „Das eigene Zuhause ist in Japan ein intimer Bereich, der für Fremde tabu ist. Ich habe viele gute japanische Freunde; deren Wohnung habe ich aber noch nie gesehen. Das unterstreicht, wie offen und herzlich unsere Studierenden empfangen wurden. Es war für alle Beteiligten eine sehr eindrucksvolle Erfahrung“, sagt Steinhauser.

Hinweis an die Redaktionen

Für weitere Informationen oder die Vermittlung von Interviews mit den Studierenden, die von ihren Eindrücken aus Fukushima berichten können, steht Ihnen Prof. Georg Steinhauser vom Institut für Radioökologie und Strahlenschutz an der Fakultät für Mathematik und Physik der Leibniz Universität Hannover unter Telefon +49 511 762 3311 oder per E-Mail unter steinhauser@irs.uni-hannover.de gern zur Verfügung.