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Verbundvorhaben zur nuklearen Entsorgung bindet Bürgerinnen und Bürger ein

Verbundvorhaben zur nuklearen Entsorgung bindet Bürgerinnen und Bürger ein

© Prof. Dr. C. Walther/LUH

Arbeitsgruppe Bevölkerung im Forschungsverbund TRANSENS gegründet / Konstituierende Sitzung in Hannover

Die sichere Lagerung nuklearer Abfälle für sehr lange Zeit: Mit diesem hochaktuellen Thema beschäftigt sich das Verbundvorhaben TRANSENS (Transdisziplinäre Forschung zur Entsorgung hochradioaktiver Abfälle in Deutschland), an dem die Leibniz Universität Hannover (LUH) maßgeblich beteiligt ist. Im Projekt arbeiten neun deutsche und zwei Schweizer Universitäten und Forschungseinrichtungen unter der Koordination der Technischen Universität Clausthal zusammen.

Das Institut für Radioökologie und Strahlenschutz (IRS) der LUH leitet einen Teilbereich des transdisziplinären Projekts, in dem es darum geht, Bürgerinnen und Bürger im Sinne von Citizen Science in die Forschung einzubinden. Diese "Arbeitsgruppe Bevölkerung" hat sich im September 2020 zu ihrer ersten Sitzung in Hannover getroffen. Sie besteht aus 17 Bürgerinnen und Bürgern, von denen 15 trotz erschwerter Bedingungen durch die Corona-Krise aus sieben Bundesländern angereist sind. Die Arbeitsgruppe wird über die fünf Jahre des Projekts auf Augenhöhe mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Lösungsansätze erarbeiten.

Von etwa 700 Personen, die in einer von der LUH und der ETH Zürich entwickelten repräsentativen Online-Umfrage ihr Interesse an einer Mitarbeit bekundet hatten, wurden in einem kriteriengeleiteten mehrstufigen Verfahren neun Frauen und acht Männer ausgewählt. Die Personen durften keine Expertinnen bzw. Experten oder Stakeholder im Bereich Endlagerung sein. Zudem wurden sozialpsychologische Kriterien wie Teamfähigkeit sowie ein ausgewogenes Verhältnis von Bildungs- und Altersgruppen berücksichtigt. Die Arbeitsgruppe wird künftig ihre Meinungen und Wissensstände in den Forschungsprozess einbringen und gemeinsam mit den Projektbeteiligten aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen unterschiedliche Fragestellungen reflektieren und bearbeiten. In der konstituierenden Sitzung unter der Leitung von Prof. Dr. Clemens Walther und Dr. Cord Drögemüller (beide IRS) wurden erste Einblicke in die Felder der komplexen Entsorgungsthematik ermöglicht und Themen der gemeinsam zu bearbeitenden Fragestellungen geklärt.

Die Einbindung der Bevölkerung in Forschungsvorhaben ist ein wichtiges Instrument der Vertrauensbildung im Sinne der Interaktion zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Für die Analyse dieses Bereichs von TRANSENS ist mit Dr. Roman Seidl ein psychologischer Mitarbeiter Teil des Teams der LUH.

TRANSENS wird mit insgesamt 15 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (3,75 Millionen Euro aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung) gefördert. Das Verbundvorhaben soll wissenschaftliche Grundlagen schaffen und sich deutlich von der Forschung mit unmittelbarem Bezug zum Standortauswahlverfahren für die Endlagerung abgrenzen.